ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2010Börsebius: Einmal Dubai und zurück

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Börsebius: Einmal Dubai und zurück

Dtsch Arztebl 2010; 107(37): A-1768 / B-1556 / C-1536

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Sobald Größen des Sports eine Sache gut finden, gibt es für manche Leute kein Halten mehr. So hatten unser Tennisbobbele sowie ein wieder in die Karre gestiegener Rennfahrer nebst einem früheren Kollegen, der heute aber berufsfremd eine Fluggesellschaft sein Eigen nennt, ordentlich für Anlagegelder des Gütersloher Fondsanbieters Alternative Capital Investment (ACI) getrommelt. Wenn schon prominente Leute in naher und mittlerer Ferne, also genauer in Dubai, Reichtum und Rendite riechen, dann muss da ja wohl was dran sein, dachten sich rund 6 000 Anleger und überließen ACI an die 210 Millionen Euro, um im Wüstenstaat Hochhäuser bauen zu lassen. Tolle Sache, damit lässt sich auch auf Partys Eindruck schinden und nebenbei üppig Geld im Schlaf verdienen.

Doch Realität und Träume sind trotz prominenter Fürsprecher halt zwei Paar Schuhe, wie sich zurzeit am geschlossenen ACI Fonds III zeigt. Hier müssen die Zeichner um ihr Geld bangen. Denn der Dubai-Fonds ist offensichtlich pleite, und damit sind wohl gut 19 Millionen Euro futsch. Die Fondsverwaltung hat in einem Schreiben einen Insolvenzantrag angekündigt. Verantwortlich für den Schicksalsschlag seien externe Umstände, also die nach oder wegen der Finanzmarktkrise stark eingebrochenen Immobilienpreise, aber auch Infrastrukturprobleme im Emirat selbst. Das Unternehmen ACI gilt immerhin als führender Dubai-Investmentanbieter, und insoweit steht leider zu befürchten, dass es nicht bei dem einen Insolvenzantrag bleibt.

Absehbar ist nunmehr, dass viele Investoren bei Neuengagements also Dubai meiden werden wie der Teufel das Weihwasser. Das sehen offenbar auch manche Fondsanbieter ähnlich, die flugs andere Regionen in der Golfregion zum gelobten Land auf dem Weg zum schnellen Reichtum erklären.

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Nun soll es ein „Photovoltaik-Investment im Oman“ richten. „Gemeinsam investieren mit dem Sultanat Oman“, heißt es vielversprechend in der Kurzbeschreibung des Prospekts. Wer in den „Middle East Best Select Fonds“ einbezahlt, soll demnach mit einer Planrendite von mehr als 30 Prozent jährlich rechnen dürfen. Durch den Teilverkauf von Bezugsrechten sei sogar eine Realisierung von mehr als 40 Prozent Rendite nach sechs Monaten möglich. Wirklich? Glauben Sie bloß nicht, dass kein Mensch auf solche waghalsigen Offerten hereinfällt. Die Erfahrung spricht dagegen. Für meinen Eindruck sind aber solche Renditeversprechen schon ziemlich starker Tobak und realistisch niemals zu halten.

Geld, das nicht in Form von auskömmlichen – moderaten – Renditen zurückkommt oder eben gar nicht mehr, ist wahrlich schlecht investiertes Kapital. Ob es dabei in Dubai oder Oman oder wo immer auf der Welt versickert, bleibt ohne Belang.

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