ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2010Rehabilitation: Rehaforschung besser als ihr Ruf
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. . . Die Autoren konstatieren ein aus ihrer Sicht nach wie vor bestehendes schwaches Niveau der Rehabilitationsforschung, obwohl es doch eine substanzielle Forschungsförderung gegeben habe. Begründet wird diese Einschätzung mit dem angeblichen Fehlen hochrangiger Publikationen und dem Mangel an kontrollierten randomisierten Studienansätzen.

Die Autoren hätten es besser wissen können: Eine Recherche über

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PubMed hätte ihnen zeigen können, dass es in Deutschland inzwischen durchaus Rehabilitationsforscher gibt, die in renommierten nationalen wie internationalen rehabilitationsbezogenen Fachzeitschriften (mit substanziellen Impact-Faktoren) publizieren . . . Das rehabilitationswissenschaftliche Forschungsprogramm (1998–2006, Finanzierung durch das Bundesministerium für Forschung und die Deutsche Rentenversicherung), stand allerdings nicht unter der primären Zielperspektive hochrangiger internationaler Publikationen. Es sollte vielmehr – entsprechend der Ausschreibung – zur Generierung von für die rehabilitative Versorgung relevanten und transferierbaren Wissen beitragen und das methodische Niveau der Rehabilitationsforschung weiterentwickeln. Gleichzeitig zielte es auf die strukturelle Verbesserung der Voraussetzungen der Rehabilitationsforschung in Deutschland ab. Mit Letzterem war insbesondere die Implementierung der Rehabilitationsforschung an den Universitäten gemeint. Ob die in den zahlreichen öffentlich zugänglichen Forschungsberichten dargelegten Forschungsergebnisse die Versorgungspraxis in der Rehabilitation substanziell verbessern werden, bleibt abzuwarten. Zumindest in Teilbereichen lässt sich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Bezüglich der Entwicklung der Forschungsmethodik zeigt ein Vergleich zwischen den Projekten der Förderphase 1 mit denen der Förderphase 2 bezüglich relevanter methodischer Gütekriterien . . . beeindruckende Qualitätsverbesserungen. Die Aussage, die Rehabilitationsforschung werde vorrangig von Sozialwissenschaftlern ohne Kontakt zu Rehabilitanden und Ärzten außerhalb der Rehabilitation betrieben, ist definitiv falsch. Vielmehr war es ein wesentliches konstituierendes Merkmal des rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsprogramms, dass sich in den eingerichteten acht Forschungsverbünden universitäre Forschungseinrichtungen mit Rehabilitationseinrichtungen und Rehabilitationsträgern zusammenschlossen . . . Die anklingende Vorstellung, man könne diese Forschung unidisziplinär durch Rehabilitationskliniker realisieren, ist rückwärts gewandt und war in der Vergangenheit wenig erfolgversprechend.

Dass sich die Rehabilitationsforschung inzwischen an circa zehn Universitätskliniken wissenschaftlich etablieren konnte (und meist durch Professuren), ist ein wichtiger Struktureffekt des rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsprogramms . . .

Dass noch ein langer Weg in der Rehabilitationsforschung bis zur Exzellenz zu gehen ist, ist gar keine Frage. Aber dabei müssen alle an der Rehabilitation Interessierten mithelfen und einen langen Atem haben . . .

Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW), Dekan der Medizinischen Fakultät, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf,
20246 Hamburg

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