ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2010Gesundheitstelematik: Ein lernendes System

POLITIK

Gesundheitstelematik: Ein lernendes System

Dtsch Arztebl 2010; 107(37): A-1735 / B-1531 / C-1511

Krüger-Brand, Heike E.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Beim Ausbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur soll sich künftig alles um Akzeptanz und Nutzen drehen.

Die sogenannte K-Frage – nämlich „Wann kommt die Karte?“ – wurde auch beim 6. Fachkongress IT-Trends Medizin in Essen nicht beantwortet. Nach der Neuausrichtung des Telematikprojekts elektronische Gesundheitskarte (eGK) gehen die Arbeiten inzwischen zwar weiter: Seit Anfang Juli haben die installierten Projektgruppen (Kasten) ihre Arbeit aufgenommen. Doch zu Zeitplänen etwa zur Fortsetzung des Basisrollouts oder weiterer Testmaßnahmen will sich derzeit keiner der beteiligten Gesellschafter der Gematik konkret äußern, bevor nicht auf Bundesebene die Finanzierungsvereinbarung für die Kartenlesegeräte steht. Bis Ende Oktober 2010 erwarten die Experten hier eine Einigung der Selbstverwaltung. Sollte diese nicht zustande kommen, wird ein Schiedsverfahren eingeleitet.

Bedeckt hielt sich auch die Vorstandsvorsitzende der Barmer/GEK, Birgit Fischer, zur weiteren Ausgabe der Karten: Viele Fragen seien noch nicht geklärt. „Die Akzeptanzprobleme werden durch eine Karte ohne weitere Funktionen nur verschärft. Ich möchte keine virtuelle Karte, sondern eine echte“, sagte Fischer.

Anzeige

„Wir haben alle gelernt in den vergangenen fünf Jahren, wie man es besser machen kann“, betonte Dr. Jürgen Faltin, Ge­sund­heits­mi­nis­terium Rheinland-Pfalz, in einer Diskussionsrunde. „Vor allem haben wir gelernt, dass es nicht ohne die Ärzte geht.“ Für eine stärkere Nutzerorientierung hatte sich zuvor auch die neue nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Barbara Steffens starkgemacht. „Bei der Tele­ma­tik­infra­struk­tur im Gesundheitswesen reden wir zu viel über Technik und zu wenig über die Nutzerinnen und Nutzer.“ Zunächst sei zu fragen, was die Patienten und Ärzte wirklich für eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung benötigten.

Beirat bringt die ärztliche Sichtweise ein

Die Ministerin begrüßte in diesem Zusammenhang die Etablierung des ärztlichen Beirats, der in Nordrhein-Westfalen (NRW) die Praxistauglichkeit der eGK prüfen soll und in die Planung der Tests in Essen und Bochum einbezogen wird. Er will in Kürze Empfehlungen für den elektronischen Arztbrief vorstellen.

NRW werde auch unabhängig vom eGK-Projekt weiterhin eine Vorreiterrolle bei der Telematik im Gesundheitswesen einnehmen, bekräftigte Steffens und verwies auf die zahlreichen Förderprojekte im Land. Die derzeitige Verwaltung und Kommunikation im Gesundheitswesen seien „größtenteils antiquiert“. Beim Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur gehe es darum, den Nutzern die Sorge zu nehmen, ihr Aufwand beim Einsatz neuer Techniken sei höher als der Mehrwert. Große Chancen sieht Steffens neben der elektronischen Patientenakte vor allem im Arztbrief und in der Pflegedokumentation.

Heike E. Krüger-Brand

eGK-Projektgruppen

Die Kostenträger übernehmen Verantwortung für die administrativen Anwendungen, die Organisationen der Leistungserbringer sind zuständig
für die medizinischen Anwendungen:

  • Versichertenstammdatendienst (verantwortlich: GKV-Spitzenverband)
  • Notfalldaten (Bundes­ärzte­kammer)
  • Kommunikation der Leistungserbringer/elektronischer Arztbrief (Kassenärztliche Bundesvereinigung – KBV)
  • Basis-Tele­ma­tik­infra­struk­tur (KBV und GKV-Spitzenverband)
  • elektronische Fallakte (Deutsche Krankenhausgesellschaft)

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema