ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2010Dokumentation in der Psychiatrie: OPS-Rechner auf Basis von Excel

TECHNIK

Dokumentation in der Psychiatrie: OPS-Rechner auf Basis von Excel

Dtsch Arztebl 2010; 107(37): A-1766 / B-1554 / C-1534

Schulz-Du Bois, Christian; Gohr, Benjamin; Rüter, Thorsten

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Ein Codierwerkzeug errechnet aus der Dokumentation der Therapie-, Betreuungs- und Krisenkontaktzeiten die Operationen- und Prozedurenschlüssel einer Behandlungseinheit.

Bislang war die Arbeit eines Klinikpsychiaters ungetrübt durch eine detaillierte Leistungserfassung. Krankenhauserlöse wurden nach Behandlungstagen per Pflegesatz abgerechnet. Seit dem 1. Juli 2010 müssen alle medizinischen Berufsgruppen ihre Leistungen für Patienten nach einem pauschalierenden System dokumentieren. Dessen Hauptelemente sind Therapieeinheiten in 25-Minuten-Takten für Einzel- und Gruppenbehandlungen. Zusätzlich können Zeiten für Diagnostik, kriseninterventionelle Behandlung und 1:1-Betreuung aufgezeichnet werden. Daneben muss eine Eingruppierung nach der Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) bei Aufnahme eines Patienten ins Krankenhaus und bei jedem Wechsel von Behandlungsbereich oder Behandlungsart durchgeführt werden.

Komplexes Regelwerk

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Daraus werden Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) errechnet, welche die Therapieeinheiten der Berufsgruppen und die aus der Eingruppierung nach der Psychiatrie-Personalverordnung abgeleitete Komplexbehandlung enthalten. Damit zwischen Regel- und Intensivbehandlung unterschieden werden kann, müssen Kriterien bedacht werden, die weitgehend den Eingruppierungen der Psych-PV entsprechen. Um zu erkennen, ob eine psychotherapeutische Komplexbehandlung codiert werden kann, muss das Verhältnis der Summe ärztlicher plus psychologischer zur Summe spezialtherapeutischer plus pflegerischer Therapieeinheiten bekannt sein. Diagnostik oder erhöhter Behandlungsaufwand bei 1:1-Betreuung kann geltend gemacht werden, wenn an einem Tag zwei Stunden Zeit dafür aufgewendet werden mussten. Allerdings fordert ein OPS-Code für eine kriseninterventionelle Behandlung abweichend davon an einem Tag mehr als zwei Stunden und nur durch Ärzte oder Psychologen erbrachte Zeit. Damit tagesbezogene Pauschalen entstehen, werden die Leistungen von höchstens sieben Tagen zusammengerechnet beziehungsweise die Leistungen der Tage bis zum Wechsel von Behandlungsbereich oder Behandlungsart.

OPS-Rechner, Ausschnitt aus der Tabelle mit den errechneten OPS-Codes
OPS-Rechner, Ausschnitt aus der Tabelle mit den errechneten OPS-Codes

Am Zentrum für Integrative Psychiatrie in Kiel hat man die Bedeutung einer sorgfältigen Leistungsdokumentation und einer zuverlässigen Codierung frühzeitig antizipiert. Eine Arbeitsgruppe zur OPS-Einführung entwickelte einen mit der aktuellen Entwicklung mithaltenden praktikablen Workflow. Die medizinischen Berufsgruppen wurden entlastet durch Verteilung eines Teils der anfallenden Tätigkeiten auf Medizincontroller, Codierer und Schreibkräfte.

Tabelle als Basis

Um eine fundierte und aussagekräftige OPS-Codierung zu erreichen, wurde mit dem Tabellenkalkulationsprogramm Excel ein OPS-Rechner programmiert. Herzstück ist eine Tabelle, in welcher das komplexe Regelwerk der Operationen- und Prozedurenschlüssel abgebildet ist. Der OPS-Rechner in Excel errechnet mit der Psych-PV-Eingruppierung aus den Therapie-, Diagnostik-, Betreuungs- und Kriseninterventionszeiten die Operationen- und Prozedurenschlüssel für Patienten in der Psychiatrie, Psychosomatik und Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Ein vierwöchiger Testlauf und die Anwendung bei 220 stationären und teilstationären Betten verliefen erfolgreich und ergaben korrekte und vollständige OPS-Codes. Zwischenzeitlich wurde der OPS-Rechner in Excel in einem Medizincontroller-Forum veröffentlicht. Seitdem verwenden ihn auch andere psychiatrische Kliniken, ohne dass Fehler auftraten. Sobald unser Klinikinformationssystem eine arbeitssparendere Lösung zur Leistungsdokumentation und automatisierten OPS-Codierung bereitgestellt hat, wird der OPS-Rechner den Status eines Kontrollrechners für komplexe und komplizierte medizinische Prozeduren erhalten und darüber hinaus als Ersatz bei Ausfall des zentralen Dokumentationssystems dienen.

Dr. med. Christian Schulz-Du Bois, Benjamin Gohr, Thorsten Rüter

Informationen: Dr. med. Christian Schulz-Du Bois, Zentrum für Integrative Psychiatrie ZIP gGmbH, Niemannsweg 147, 24105 Kiel, E-Mail: c.schulz-dubois@zip-kiel.de, Internet: www.zip-kiel.de

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