ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2010Prostatakarzinom: Halbierung der Mortalität durch PSA-Screening

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prostatakarzinom: Halbierung der Mortalität durch PSA-Screening

Dtsch Arztebl 2010; 107(37): A-1751 / B-1544 / C-1524

Gulden, Josef

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Das Prostatakrebsscreening mit Hilfe des prostataspezifischen Antigens (PSA) wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Eine schwedische Studie liefert nun neue Daten: Ab 1995 wurden in Göteborg 20 000 zwischen 1930 und 1944 geborene Männer zunächst entweder in eine Screening- oder in eine Kontrollgruppe randomisiert. Etwa drei von vier Männern in der Screeninggruppe nahmen das Angebot zu einer PSA-Untersuchung an, die alle zwei Jahre bis maximal zum 71. Lebensjahr wiederholt werden sollte. Der PSA-Grenzwert, ab dem den Teilnehmern weitere diagnostische Maßnahmen wie eine digitale rektale Untersuchung und Biopsien angeboten wurden, lag zunächst bei 3,4 ng/ml, wurde dann auf 2,9 und schließlich auf 2,5 ng/ml gesenkt.

Die kumulative Häufigkeit im Follow-up entdeckter Prostatatumoren lag nach median 14 Jahren in der Screeninggruppe mit 12,7 % deutlich höher als in der Kontrollgruppe mit 8,2 % (Hazard Ratio 1,64, p < 0,0001). Das absolute kumulative Risiko, während dieser 14 Jahre an Prostatakrebs zu sterben, sank aber durch das Screening um 0,4 % auf 0,5 %. Für die gesamte Screeninggruppe errechnete sich eine relative Abnahme des Sterberisikos durch Prostatakarzinom um 44 % (Rate Ratio 0,56, p = 0,002); bei den Probanden, die sich hatten screenen lassen, war die Abnahme des Risikos mit 56 % sogar noch deutlicher (p = 0,0002). Um einen Tod durch Prostatakrebs zu vermeiden, mussten 293 Probanden zum Screening geladen (number needed to screen) und 12 Patienten behandelt (number needed to treat) werden.

Fazit: Diese Ergebnisse, so Prof. Dr. med. Jürgen Gschwend, TU München, machten klar, dass mit einem PSA-basierten Prostatakarzinomscreening nicht nur mehr Tumoren entdeckt würden, sondern auch die Mortalitätsrate hochsignifikant gesenkt werden könne. „Vor allem für jüngere Männer zwischen 45 und 60 Jahren ist das relevant: Bei ihnen ist das Mortalitätsrisiko durch ein zu spät entdecktes Prostatakarzinom besonders hoch, da meist relevante Komorbiditäten fehlen.“ Wegen der Biologie des Prostatakarzinoms wird die Senkung der Mortalität erst nach über zehn Jahren deutlich erkennbar. Bestätigt würden damit Daten der großen European Randomized Study for Prostate Cancer, die ein kürzeres Follow-up, aber den gleichen Trend aufweise, sagt Gschwend. Die methodisch vielkritisierte amerikanische PLCO-Studie verliere weiter an Bedeutung.

Dennoch sei das Risiko einer Überdiagnose und damit gegebenenfalls Übertherapie zu berücksichtigen, solange neue Biomarker zur besseren Risikostratifizierung fehlten oder nicht validiert seien, meint Gschwend. Neben qualifizierter Beratung der Patienten und differenzierter Therapieempfehlung für Betroffene müssten Forschungsprojekte mit dieser Fragestellung in den kommenden Jahren erheblich forciert werden.

Josef Gulden

Hugosson J et al.: Mortality results from the Göteborg randomised population-based prostate-cancer screening trial. Lancet Oncol 2010; 11: 725–32.

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