ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2010Praxissoftware: Anforderungen an die IT-Sicherheit in den Praxen steigen

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Praxissoftware: Anforderungen an die IT-Sicherheit in den Praxen steigen

Dtsch Arztebl 2010; 107(37): A-1734 / B-1530 / C-1510

Krüger-Brand, Heike E.

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Für die Gewährleistung von Datenschutz und Datensicherheit sowohl bei der Archivierung als auch bei der Kommunikation sind einheitliche Standards erforderlich.

Der Schutz von Patientendaten ist sowohl online als auch offline von zentraler Bedeutung. Foto: Fotolia
Der Schutz von Patientendaten ist sowohl online als auch offline von zentraler Bedeutung. Foto: Fotolia

Ob Arztbrief, Abrechnung, Verordnung oder Dokumentation: In der EDV liegt ein großes Potenzial zur Entlastung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten von Bürokratie und Verwaltungsaufgaben. Gleichzeitig gibt es immer mehr Bereiche, in denen die Online-Kommunikation eine Rolle spielt, etwa bei der Übermittlung der medizinischen Dokumentationen im Rahmen von Versorgungsprogrammen und Qualitätssicherungsmaßnahmen oder bei der Quartalsabrechnung, die ab Januar 2011 verpflichtend leitungsgebunden stattfinden soll.

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will künftig verstärkt mit den Anbietern von Praxisverwaltungssoftware zusammenarbeiten und die Einführung sicherer, moderner Kommunikationstechnologien im ambulanten Sektor weiter vorantreiben. Ein wesentliches Ziel dabei ist es, den Datenschutz und die Datensicherheit in den Arzt- und Psychotherapeutenpraxen sowohl in der Datenhaltung als auch in der Kommunikation zu verbessern und die Ärzte hierfür zu sensibilisieren.

Stationärer Bereich macht den Vorreiter

„Viele Vertragsärzte sind extrem skeptisch bezüglich der Online-Übertragung sensibler Patientendaten. Deren Schutz ist sowohl online als auch offline von zentraler Bedeutung“, erklärte der Stellvertretende Vorsitzende des KBV-Vorstands, Dr. med. Carl-Heinz Müller, bei einem Treffen mit Anbietern von Praxisverwaltungssoftware in Berlin. „Die Anforderungen an die Praxisverwaltungssysteme steigen im Hinblick darauf enorm.“

Datenschutz und Datensicherheit seien zudem auch politisch brisante Themen, meinte Müller. Als ein Beispiel nannte er in diesem Zusammenhang eine Entschließung der 78. Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder vom Oktober 2009, wonach Krankenhäuser künftig verpflichtet sind, datenschutzgerechte Systeme einzusetzen. Die Krankenhausinformationssysteme müssen beispielsweise differenzierte Zugriffsberechtigungen unterstützen und durch Protokollierungsfunktionen gewährleisten, dass dies auch überprüft werden kann. Die Softwarehersteller sind gehalten, entsprechende Systeme anzubieten. „Das wird auch auf die Praxisverwaltungssysteme zukommen“, ist Müller überzeugt.

„Sensible Abrechnungsdaten unterliegen darüber hinaus besonderen Sicherheitsvorschriften“, betonte der KBV-Vorstand. So hätten das Bundessozialgericht und der Datenschutz beispielsweise die im Rahmen von selektiven Vollversorgungsverträgen über private Abrechnungsstellen vorgenommene Datenverarbeitung datenschutzrechtlich beanstandet und eine neue gesetzliche Regelung gefordert.

Aber auch im Hinblick auf die Pflicht zur Online-Quartalsabrechnung mit den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und zum Online-Datenabgleich der Versichertenstammdaten im Zusammenhang mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte sind Datenschutz und Datensicherheit für Niedergelassene ein Thema, mit dem sie sich verstärkt auseinandersetzen müssen. So ist nach dem GKV-Änderungsgesetz geplant, dass Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten künftig die Versichertenstammdatendienste der Kostenträger für jeden Patienten bei der ersten Leistungsinanspruchnahme im Quartal online abfragen. Diese Prüfung wird auf der Gesundheitskarte gespeichert und bei der Abrechnung mit an die KV übermittelt.

Vor diesem Hintergrund hält die KBV eine einheitliche und verbindliche Archivierungsschnittstelle zur (Langzeit-)Datensicherung und zur strukturierten Speicherung von Patientendaten für unerlässlich, damit die Vertragsärzte ihrer Dokumentationspflicht nachkommen können und im Streitfall rechtlich abgesichert sind. „Einheitliche Standards dafür sowie für eine funktionierende sichere Kommunikation zwischen Ärzten, Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenhäusern und Krankenkassen sind zwingend erforderlich“, betonte Müller.

KV-Online-Initiative soll Ärzte unterstützen

Um die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten bei der sicheren Online-Anbindung zu unterstützen und ihnen den Weg in einen elektronischen Arbeitsalltag durch Praxisservice- und Managementdienste zu ebnen, haben KBV und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) im Jahr 2008 die Online-Initiative gestartet. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung KV-übergreifender Anwendungen, wie etwa elektronischen Fallakten oder dem E-Mail-Dienst, über den angeschlossene Praxen bundesweit Daten austauschen und beispielsweise Arztbriefe und Befunde verschlüsselt und signiert versenden und empfangen können. Ab 2011 wird der Dienst zudem in die Praxisverwaltungssysteme integriert, so dass Ärzte dann direkt aus ihrer gewohnten Softwareoberfläche heraus E-Mails übermitteln können.

Hierfür haben KVen und KBV eine spezielle Online-Infrastruktur aufgebaut, die den hohen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit Rechnung trägt und die für die Übermittlung sensibler Daten geeignet ist: KV-SafeNet, das „sichere Netz der KVen“. Dabei handelt es sich um ein geschütztes, vom Internet getrenntes Netzwerk, das die Teilnehmer untereinander und mit den KVen vernetzt. Derzeit seien bereits circa 61 300 Ärzte online aktiv, darunter circa 13 470 KV-SafeNet-Nutzer, berichtete Müller.

Heike E. Krüger-Brand

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