Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Frau Schott und Mitarbeiter schlussfolgern in ihrer Untersuchung zum Einfluss der Finanzierung von Arzneimittelstudien, dass die von pharmazeutischen Unternehmen veranlassten Studien häufig verzerrt publiziert würden. Überdies kämen solche Studien häufiger zu einem positiveren Ergebnis. Dies sei nicht durch unterschiedliche Studienqualität erklärt.

Die zitierten Arbeiten stützen sich allerdings nicht auf Erkenntnisse der Planung und Durchführung selbst, sondern auf die Publikation von Studien. Wir können jedoch aus der Erfahrung der Beratung durch eine Ethik-Kommission einer medizinischen Fakultät berichten, dass der Beratungsbedarf bei nichtindustriell gesponserten Studien ungleich höher ist. Ferner scheinen auch Unterschiede in der Planung von klinischen Prüfungen zu bestehen, die dazu führen, dass nichtindustriell gesponserte Studien häufiger nicht den gewünschten Verlauf nehmen. Auffällig ist beispielsweise, dass von 22 klinischen Arzneimittelprüfungen mit nichtindustriellem Sponsor, die von der Ethikkommission der Universität zu Köln im Zeitraum 2006 bis 2009 beraten wurden, fünf Studien erhebliche Rekrutierungsdefizite aufweisen (das heißt weniger als die Hälfte der Teilnehmer wurden innerhalb der vorgesehen Rekrutierungszeit eingeschlossen). Das lässt daran zweifeln, ob diese Prüfungen – auch vor dem Hintergrund der begrenzten Finanzierung – noch erfolgreich zum Abschluss gebracht werden können. Durchführungsmängel werden sich auf die veröffentlichten Studienergebnisse niederschlagen. Umgekehrt darf dies nicht dazu verleiten, die erfolgreiche Durchführung und die hieraus resultierende bessere Publikationsmöglichkeit der pharmazeutischen Industrie vorzuwerfen.

Die Autoren haben bei ihrer Betrachtung nicht ausreichend berücksichtigt, dass unterschiedliche Zielsetzungen bei industrieller und nichtindustrieller Forschung bestehen, die dazu führen, dass industrielle Sponsoren bereits aus unternehmerischem Interesse nur die Prüfungen initiieren, die eine hohe Aussicht auf Erfolg haben.

Die Mahnung der Autoren, konfligierende Interessen bei der Interpretation von Studienergebnissen zu berücksichtigen, tragen wir mit. Die Darstellung, industrielle Arzneimittelprüfungen würden positiv verzerrt publiziert, ist jedoch nicht ausreichend durch belastbare Daten gedeckt. Hierzu bedürfte es über Einzelfallberichte hinaus einer Analyse der Studienqualität im umfänglichen Sinne (einschließlich Planung und Durchführung, und nicht nur auf Basis der Ergebnispublikation).

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0672

Dr. med. Guido Grass

Dipl.-Ges.-Ök. Karolina Mäder

Kerpener Straße 62

50937 Köln

E-Mail: guido.grass@uni-koeln.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Schott G, Pachl H, Limbach U, Gundert-Remy U, Ludwig WD, Lieb K: The financing of drug trials by pharmaceutical companies and its consequences: Part 1. A qualitative, systematic review of the literature on possible influences on the findings, protocols, and quality of drug trials [Finanzierung von Arzneimittelstudien durch pharmazeutische Unternehmen und die Folgen: Teil 1: Qualitative systematische Literaturübersicht zum Einfluss auf Studienergebnisse, -protokoll und -qualität]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(16): 279–85. VOLLTEXT
2.
Schott G, Pachl H, Limbach U, Gundert-Remy U, Ludwig WD, eb K: The financing of drug trials by pharmaceutical companies and its consequences: Part 2. A qualitative, systematic review of the literature on possible influences on authorship, access to trial data, and trial registration and publication [Finanzierung von Arzneimittelstudien durch pharmazeutische Unternehmen und die Folgen Teil 2: Qualitative systematische Literaturübersicht zum Einfluss auf Autorschaft, Zugang zu Studiendaten sowie auf Studienregistrierung und Publikation]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(17): 295–301. VOLLTEXT
1.Schott G, Pachl H, Limbach U, Gundert-Remy U, Ludwig WD, Lieb K: The financing of drug trials by pharmaceutical companies and its consequences: Part 1. A qualitative, systematic review of the literature on possible influences on the findings, protocols, and quality of drug trials [Finanzierung von Arzneimittelstudien durch pharmazeutische Unternehmen und die Folgen: Teil 1: Qualitative systematische Literaturübersicht zum Einfluss auf Studienergebnisse, -protokoll und -qualität]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(16): 279–85. VOLLTEXT
2.Schott G, Pachl H, Limbach U, Gundert-Remy U, Ludwig WD, eb K: The financing of drug trials by pharmaceutical companies and its consequences: Part 2. A qualitative, systematic review of the literature on possible influences on authorship, access to trial data, and trial registration and publication [Finanzierung von Arzneimittelstudien durch pharmazeutische Unternehmen und die Folgen Teil 2: Qualitative systematische Literaturübersicht zum Einfluss auf Autorschaft, Zugang zu Studiendaten sowie auf Studienregistrierung und Publikation]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(17): 295–301. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige