ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 3/2010Stiftungen: Sozialengagement mit Steuerbonus

Supplement: PRAXiS

Stiftungen: Sozialengagement mit Steuerbonus

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): [22]

Jobst, Peter

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Vermögen aufbauen ist eine Sache, Vermögen sinnvoll übertragen eine andere. Immer mehr Familien entscheiden sich für die Errichtung einer Stiftung, die einerseits steuerliche Vorteile bietet, andererseits aber auch soziales Engagement auf hohem Niveau ermöglicht.

Foto: Zentrum für Stiftungsrecht-Uni Zürich
Foto: Zentrum für Stiftungsrecht-Uni Zürich

Der Stiftungsgedanke hat eine lange Tradition: In nahezu jeder Großstadt kennt man Stiftungen für bedürftige Mitbürger, die ihre Wurzeln im Mittelalter haben. Die Bürgerspitalstiftung Wemding – die älteste ihrer Art – führt ihre Ursprünge sogar auf das zehnte Jahrhundert zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Stiftungsgedanke jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Im Mittelpunkt standen der eigene Vermögensaufbau und die Übertragung an die unmittelbaren Nachkommen. Mittlerweile zeichnet sich jedoch ein Umdenken ab. Der soziale Gedanke, aber auch steuerliche Vorteile haben zu einer verstärkten Nachfrage nach dieser Möglichkeit der Vermögensdisposition geführt. In Deutschland gibt es bereits mehr als 20 000 Stiftungen – Tendenz deutlich steigend.

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Eine Stiftung entsteht regelmäßig aus der Idee heraus, einen bestimmten Teil des Vermögens vertraglich oder per letztwilliger Anordnung einem festgelegten Zweck zuzuweisen. Die Übertragung ist dauerhaft, das heißt, eine Rückforderung durch den Stifter beziehungsweise dessen Erben ist nicht vorgesehen. Ausschlaggebend für die Gründung ist in den meisten Fällen soziales Engagement. Viele Menschen, die ihr Leben lang gut verdient haben, wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben und gründen hierfür eine Stiftung. Aber auch der Zusammenhalt des Vermögens kann von Bedeutung sein, etwa bei kinderlosen Unternehmern mit weit verzweigter Verwandtschaft. Da hier stets die Gefahr besteht, dass die Firma im Zuge von Erbstreitigkeiten auseinanderfällt, kann über eine Stiftung der Fortbestand gesichert werden. Das Ziel einer Familienstiftung kann aber auch in der Förderung von bestimmten Familienangehörigen liegen, wobei damit allerdings keine Steuervorteile verbunden sind. Bei den anderen Varianten spielen hingegen steuerliche Gründe durchaus eine bedeutende Rolle, werden Stiftungen doch mittlerweile stärker gefördert als je zuvor. Ein großes Vermögen ist dabei nicht einmal erforderlich. Die Hälfte der in Deutschland registrierten Stiftungen weist ein Vermögen von bis zu 300 000 Euro auf.

Über den Tod hinaus

Am häufigsten findet man heute Stiftungen, die sich kulturellen, mildtätigen oder wissenschaftlichen Zielen verschrieben haben, also mit ihren Mitteln etwa die Alten- oder Behindertenhilfe stärken, sich für junge Künstler einsetzen, bessere Bildungschancen für Begabte schaffen oder in talentierte Sportler investieren. Viele Stiftungsgründer konzentrieren sich dabei auf Maßnahmen in der eigenen Region und sichern sich so quasi ein Denkmal, bleiben Stiftungen doch regelmäßig über den Tod des Stifters hinaus bestehen. Ob die Stiftung dabei einen „neutralen“ Namen trägt, der zum Beispiel auf den Förderzweck hinweist, oder unter dem Namen des Stiftungsgebers geführt wird und diesen damit quasi „unsterblich“ macht, kann frei entschieden werden.

Das Kapital einer Stiftung wird eher konservativ in Immobilien, festverzinslichen Wertpapieren öffentlicher Emittenten und teilweise auch in Aktien und Fonds angelegt und bleibt – nach Möglichkeit – dauerhaft erhalten. Aus den Erträgen der Kapitalanlage wird der Stiftungszweck finanziert. Entgegen landläufiger Meinung ist allerdings keine Mündelsicherheit der Geldanlage mehr erforderlich. In den Jahren 1995 bis 2002 haben die Bundesländer diese Regelungen nach und nach gestrichen. Maßgeblich für die Geldanlage sind jetzt allein die landespezifischen Stiftungsgesetze sowie die Satzung der Stiftung, in der die auszuschließenden Anlageformen aufgelistet werden können.

Hohe Freibeträge

Deutlich verbessert wurden in den vergangenen Jahren die steuerlichen Vorteile. So hat der Bundesrat am 21. September 2007 das „Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements“ verabschiedet und damit die Freibeträge deutlich erhöht. Bei Zahlungen an gemeinnützige Stiftungen fallen weder Erbschaftsteuer noch Schenkungsteuer an. Darüber hinaus kann der Stifter Zuwendungen in das Grundvermögen einer Stiftung – unabhängig vom Einkommen – von bis zu einer Million Euro, verteilt auf bis zu zehn Jahre, geltend machen. Dieser Betrag gilt auch für Zustiftungen zu einer bereits bestehenden Stiftung. Im Übrigen verdoppelt sich der Höchstbetrag bei Ver-heirateten. Außerdem können bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte für Zuwendungen zu einer Stiftung steuerlich als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

Hat sich die Idee einer Stiftungsgründung etabliert, bedarf es eines detaillierten Konzepts zur Umsetzung. Neben dem Stiftungszweck kommt es insbesondere auf die Vertragsgestaltung an. Hier ist zu klären, ob es sich um eine selbstständige Stiftung handeln soll, die relativ umfassenden Bestimmungen unterliegt und auch rechtlich eine eigene Einheit darstellt, oder ob es eine unselbstständige, treuhänderische Stiftung sein soll, die quasi „nebenbei“ betrieben wird und damit kostengünstiger ist. Daneben gibt es auch die „Bürgerstiftung“, bei der sich mehrere Personen zu einer Stiftungsgemeinschaft zusammenschließen.

Wurden diese Fragen geklärt, sind vor allem bei der selbstständigen Stiftung verschiedene rechtliche Bestimmungen einzuhalten. Erstellt wird zunächst eine Stiftungssatzung, gleichzeitig werden die Organe beziehungsweise Gremien der Stiftung festgelegt. Bei einer selbstständigen Stiftung ist zudem die Anerkennung durch die Stiftungsaufsicht des jeweiligen Bundeslandes erforderlich. Eine selbstständige Stiftung kommt daher in erster Linie für größere Geldbeträge in Betracht, sind mit der Gründung doch nicht unerhebliche Kosten verbunden. Die unselbstständige Stiftung erfordert einen geringeren Verwaltungsaufwand, jedoch ist auch hier eine Prüfung durch die Finanzbehörden erforderlich, damit die steuerlichen Vorteile zum Tragen kommen.

Ansprechpartner sind in erster Linie Rechtsanwälte und Notare, aber auch Banken und Sparkassen befassen sich in zunehmendem Maß mit den Fragen der Stiftungsgründung und können auf entsprechende Kontakte verweisen. Dies geschieht allerdings nicht ohne ein gewisses Eigeninteresse. Die Anlage von Stiftungsgeldern ist ein lukratives und wenig arbeitsintensives Geschäft. Denn schließlich bleiben die einmal investierten Gelder meist längerfristig angelegt, dennoch lassen sich zum Beispiel über die Konzeption als Spezialfonds für Stiftungen solide Gebühreneinnahmen generieren.

Die Art der Geldanlage

Aufmerksame Stiftungsgründer achten daher bereits im Vorfeld auf die ihnen angebotenen Anlageprodukte und die damit verbundenen Kosten. Soll das Geld konservativ etwa in Zinspapieren investiert werden, eignen sich in der Regel längerfristige Titel bonitätsstarker Emittenten, der „Umweg“ über Fondslösungen ist nicht zwingend erforderlich. Wird hingegen die Beimischung von Aktienprodukten zur Renditeoptimierung vorgesehen, kommen die im Vergleich zu Fonds kostengünstigeren Zertifikate in Betracht, etwa auf den Deutschen Aktienindex (DAX). Lediglich dann, wenn das Stiftungsvermögen international breitgestreut investiert werden soll, kann man Fondsprodukte in die engere Wahl nehmen, wobei auch hier ein Blick auf die anfallenden Kosten gerichtet werden sollte. Peter Jobst

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