Supplement: PRAXiS

Webrecherche: Nützliche Quellen für die Praxis

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): [8]

Hägele, Michael

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Google allein macht nicht glücklich – für den Arzt gibt es viele Möglichkeiten, sich Funktionen und Inhalte im Netz zu erschließen, die im beruflichen Alltag nützlich sein können.

Foto:Fotolia
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Durch die Kommerzialisierung des Internets sowie durch sogenannte soziale Netze (wie Facebook) und das Web-2.0-Mitmachweb steigt der Anteil „belangloser“ oder „Me-too“-Informationen erheblich. Insofern wird es immer wichtiger, die „richtigen“ Adressen aus der Vielzahl der Angebote für gezielte Fragestellungen zu kennen. Hier sind einige Empfehlungen und Hinweise für die Recherche.

Klinik-/Institutionssuche

Die nach § 108 Sozialgesetzbuch V zugelassenen Krankenhäuser sind dazu verpflichtet, im Abstand von zwei Jahren seit dem ersten Berichtsjahr 2004 einen Qualitätsbericht zu erstellen. In diesem Jahr stellt erstmals
das Göttinger AQUA-Institut den Be-richt unter www.sqg.de/ergebnisse/leistungsbereiche/index.html für die verschiedenen Leistungsbereiche (von „ambulant erworbene Pneumonie“ bis „Pankreas- und Pankreas-Nierentransplantation“) bereit. Allerdings sind diese Daten nicht bis auf Klinikebene einsehbar, sondern nur im anonymen Vergleich. Für die Suche nach einer Klinik mit bestimmten Spezialitäten, einer Abteilung mit hohem Patientendurchsatz oder guten Werten in den gesetzlichen Qualitätsberichten bieten sich jedoch folgende Recherchewerkzeuge an, die zumindest vage Anhaltspunkte für Qualität bieten:

  • Die Plattform www.krankenhaus.de der KSB-Klinikberatung GmbH ermöglicht einen nutzerfreundlichen grafischen Einstieg und Zugriff auf sämtliche Qualitätsberichte bis ins Jahr 2004 zurück. Darüber hinaus werden auch detaillierte Angaben zur Behandlungsqualität gemacht einschließlich der Angabe des Bundesdurchschnitts, des Qualitätsziels und des Ergebnisses der ausgewählten Klinik.
  • Die Weiße Liste (www.weisse-liste.de) der Bertelsmann-Stiftung, die auch als Basis für die AOK-Kliniksuche fungiert, ist ebenfalls gut bedienbar, enthält aber keine Angaben zur Behandlungsqualität, sondern nur zur Häufigkeit (das aber sehr geordnet). Dafür kann man Krankenhäuser hier übersichtlich miteinander vergleichen.
  • Mit der Website www.kliniken.de/kliniksuche/icd10.jsp der Vivai-Software AG gelingt die Suche nach Behandlungen und ihrer Häufigkeit zum Beispiel auf Basis des ICD-Codes (aber auch mit Begriffen, wie etwa Asthma) schnell. Mitgeliefert wird zudem eine grafische Darstellung der Patientenanzahl – auch im Vergleich zur maximalen Fallanzahl.
  • Bei www.medmonitor.de der Medmonitor GmbH kann man auch Nutzerbewertungen einsehen, die
    allerdings bisher kaum statistisch
    relevante Größen erreichen.
Ärzte sind gefragt, wenn es darum geht, ihren Patienten wertvolle Hinweise und Tipps zu empfehlenswerten Webseiten zu geben. Foto: vario-images
Ärzte sind gefragt, wenn es darum geht, ihren Patienten wertvolle Hinweise und Tipps zu empfehlenswerten Webseiten zu geben. Foto: vario-images

Pflegeeinrichtungen

Seit diesem Jahr gibt es vom Medizinischem Dienst der Krankenkassen erstellte Transparenzberichte einschließlich Bewertungen, die bei der Einschätzung der Qualität von Pflegeeinrichtungen helfen sollen. Sowohl die AOK mit www.aok-pflegeheimnavigator.de als auch der Verband der Ersatzkassen e.V. mit www.pflegelotse.de und die BKKen mit der Pflegedatenbank PAULA unter www.bkk-pflege.de stellen für die Suche gute Werkzeuge zur Verfügung.

Soziale Fragen

Wer Auskünfte zu sozialrechtlichen Bestimmungen und Hilfen benötigt, krankheitsspezifische psychosoziale Informationen oder Adressen von Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Rehakliniken sucht, wird beim Betanet (www.betanet.de) fündig. Darüber hinaus sind auch die Sozialmedizinische Informationsdatenbank SINDBAD (http://infomed.mds-ev.
de/sindbad_frame.htm)
des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. und das Angebot www.hilfeatlas.de der ITss GmbH als Portal für Soziales und Gesundheit zweckdienlich. Für die (bundesweite) Selbsthilfegruppensuche ist www.nakos.de (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen) die beste Anlaufstelle.

Fortbildungen

Einen „Kongresskalender Medizin“ stellt die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin unter www.zbmed.de/kongresskalender.html zur Verfügung. Eine gute Ergänzung mit Suchmöglichkeiten bietet die bsmo GmbH unter www.springermedizin.de/kongress

kalender.

CME-Angebote im Rahmen der Fortbildungsverpflichtung, wie sie das GKV-Modernisierungsgesetz seit dem 1. Januar 2006 vorschreibt,
haben alle großen Medizinverlage entwickelt: cme.springer.de, cme.thie
me.de
und Urban-Vogel mit www.cme-punkt.de. Weitere empfehlenswerte Angebote stellen zum Beispiel das Deutsche Ärzteblatt (cme.aerzte
blatt.de)
und die Bayerische Ärztekammer (www.my-cme.de) bereit.

Arztbewertungen

Spätestens seit die AOK angekündigt hat, ein eigenes Arztbewertungsportal anzubieten, sind solche Portale in aller Munde. Einige Ärzte haben sich bereits damit auseinandergesetzt. Fakt ist aber, dass die meisten nicht wissen, wo überall Daten über sie gespeichert sind. Das liegt auch daran, dass es eine breite Palette von Anbietern gibt, wenngleich die ersten bereits ihre Segel streichen mussten und eine gewisse Marktkonsolidierung eintreten wird. Da nicht alle Anbieter die Ärzte (zeitnah) über die Eintragungen informieren, ist es nützlich, sich selbst einen Überblick zu verschaffen, wo möglicherweise Bewertungen zur eigenen Praxis enthalten sind. Einen guten Einstieg in die Thematik bietet die Webseite des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) unter www.arztbewertungsportale.de. Sie gibt zudem Hinweise darauf, woran ein gutes Arztportal zu erkennen ist.

  • Das Portal www.arzt-auskunft.de der Stiftung Gesundheit ist in vielen Portalen als Werkzeug zur Arztsuche integriert. Es umfasst im Rahmen des Arztprofils teilweise einen Patientenzufriedenheitsscore, gebildet durch gebündelte Hinweise aus dem Empfehlungspool, dem zehn Anbieter angehören (155 000 Einträge einzeln geprüft und freigegeben, 20 000 nach Prüfung nicht freigeschaltet). Es verfügt in der Regel über aktuelle postalische Daten.
  • Die Plattform www.jameda.de zählt inzwischen zu den Marktführern in diesem Bereich, da die geballte Marktmacht von „Focus“ (Jameda wurde 2008 von der Tomorrow Focus AG übernommen) dahintersteht. Die „Focus“-Ärztelisten wurden dort ebenfalls integriert. Auch Kliniken, Altenheime/Soziale Dienste und Krankenkassen kann man inzwischen dort bewerten (zwischen 450 000 und 500 000 Bewertungen).
  • Die Plattform www.docinsider.de arbeitet seit Juli 2010 mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns im Projekt „Ausgezeichnete Patientenversorgung“ zusammen. (> 400 000 Bewertungen) und ist auch für Apples iPad als App verfügbar.
  • Das Web-2.0-Portal www.imedo.de, das Inhalte durch die Beteiligung von Nutzern generiert, stellt seine Arztsuche Kooperationspartnern wie spiegel.de, handelsblatt.com und
    sueddeutsche.de auf deren Webseiten zur Verfügung. Die Arztsuche ist jetzt auch ausgegliedert unter www.arztsuche.de zu erreichen.
  • Bei www.qype.com handelt es sich eigentlich um ein allgemeines Empfehlungsportal. Durch den großen Bekanntheits- und Nutzungsgrad zum Beispiel für Restaurantempfehlungen enthält es teilweise mehr Arztbewertungen als entsprechende Spezialportale.
  • Das Portal www.sanego.de hat sich vor allem der Web-2.0-Patienten-
    Medikamentenbewertung gewidmet. Dort geben Patienten strukturiert Daten zu Medikamenten, ihrer Wirkung und Nebenwirkungen ein. Inzwischen können sie zusätzlich auch Ärzte bewerten (knapp 40 000 Bewertungen).
  • Unter www.yourfirstmedicus.de empfehlen unter anderem auch Ärzte andere Ärzte. Die Datenbasis ist allerdings in vielen Gebieten Deutschlands noch gering.
  • Unter der Adresse www.aok-arztnavi.de will die AOK im Herbst 2010 in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung (Weiße Liste) eine Bewertungsplattform starten, zunächst für ausgewählte Pilotregionen (Berlin, Hamburg, Thüringen), später sukzessive auch bundesweit. Die Techniker-Krankenkasse hat ebenfalls einen entsprechenden bundesweiten Dienst für Ende 2011 angekündigt.

Nachrichten per RSS

Um sich mit aktuellen Nachrichten auf dem Laufenden zu halten, bieten sich statt des Abonnements unterschiedlicher Newsletter, die dann womöglich im Postfach untergehen, sogenannte RSS-Feeds (RSS steht für Rich Site Summary) an, die mit einem RSS-Reader ausgelesen werden können. Diese Technik wird zunehmend durch Twitter ersetzt, wobei jedoch jeder Twitterer auch in RSS integrierbar ist, so dass eine Beschäftigung mit dieser Technologie immer noch lohnenswert ist. Auf der Website www.sciencedirect.com gibt es eine Übersicht diverser RSS-Feeds zu medizinischen Fachzeitschriften und unter www.medinfo.de/index-r-2033.htm einige nützliche Feeds für den Gesundheitsbereich einschließlich Verweisen zu RSS-Lesesoftware.

Das Surfbrett

Ein paar Worte noch zum richtigen Surfwerkzeug: Die Browser und auch die Sprache des Webs entwickeln sich schnell weiter. Die neuen Browser
(-versionen) bringen erhebliche Geschwindigkeitsvorteile (vor allem auch bei Javascript, das zunehmend häufiger verwendet wird) und sind auch deutlich sicherer geworden. Insbesondere Opera ist sehr innovativ, wenn auch wenig bekannt, und bringt standardmäßig einen guten RSS-
Reader mit sowie einen Papierkorb, in dem man vorschnell geschlossene Webseiten wiederfinden kann. Daneben wetteifern Safari (auch unter Windows ein „stylisches“ Nutzererlebnis), Firefox (der Vielseitige) und Google Chrome um die Gunst der Nutzer, während der Microsoft Internet Explorer (der „Windows“-Standard) leicht an Boden verliert (und trotzdem immer noch am meisten verbreitet ist, ohne als Surfbrett besonders zu glänzen).

Noch ein Tipp: Gerade im datensensiblen Gesundheitswesen sollte man darauf achten, die Google-Leiste nicht zu installieren (das betrifft auch andere derartige Ergänzungen), da Google damit jede Seite erfasst, die man mit dem Browser besucht, und entsprechende Profile bildet, was vielen Nutzern nicht bewusst ist.

Michael Hägele, E-Mail: mhaegele@medinfo.de

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