ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 3/2010Holzinvestments: Rendite aus dem Regenwald

Supplement: PRAXiS

Holzinvestments: Rendite aus dem Regenwald

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): [27]

Jobst, Peter

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Nachhaltige, ökologisch korrekte Geldanlagen stehen in Deutschland hoch im Kurs. Doch die Risiken sind nicht zu unterschätzen: Für die derzeit besonders populären Holzfonds gibt es weder Erfahrungswerte noch tragfähige Garantien.

Das Angebot klingt verlockend: Eine Woche Costa Rica zum Sonderpreis, Besichtigungen ökologisch geführter Betriebe jenseits der touristisch ausgetretenen Pfade und nicht zuletzt eine Geldanlage, die bis zu zwölf Prozent Ertrag abwerfen soll – und dies Jahr für Jahr bis 2031. Die Offerte stammt von einer Fondsgesellschaft, die sich auf Investitionen in die Aufforstung des mittelamerikanischen Regenwalds spezialisiert hat. Mit dem Geld der Anleger sollen entsprechende Grundstücke erworben und zu jeweils 50 Prozent mit Teakholz und Mischwald bepflanzt werden. Nach etwa 20 Jahren – in den Tropen wächst Holz weitaus schneller als in Mitteleuropa – ist die Ernte geplant, der Fonds wird aufgelöst, und der Anleger erhält sein Geld zuzüglich des erwarteten Ertrags von einigen Hundert Prozent zurück.

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Die Argumente klingen durchaus plausibel. In den vergangenen Jahren hat sich der Holzmarkt als weitgehend stabil erwiesen, selbst wenn zwischenzeitlich immer wieder einmal zum Beispiel Orkane für einen massiven, jedoch stets nur kurzzeitigen Preisverfall sorgten. Die Plantagen sind umfassend versichert, zudem sollen Zertifikate wie etwa PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) oder FSC (Forest Stewardship Council) garantieren, dass die Grundsätze der Nachhaltigkeit eingehalten werden. Denn wie jede andere Plantagenbewirtschaftung birgt auch der Holz„anbau“ die Gefahr, dass er die Artenvielfalt verdrängt oder den Grundwasserspiegel belastet – was bei Objekten mit Zertifikaten nicht der Fall sein soll. Bedenken, dass das Investment gerade zu einer Zeit mit tiefen Holzpreisen ausläuft, werden mit dem Hinweis auf eine mögliche Laufzeitverlängerung zerstreut.

Risiken beachten

Weniger gern wird allerdings über die Risiken gesprochen, die mit einer solchen Geldanlage verbunden sind. Unwetter können die Wälder vernichten, Schädlinge die Bäume befallen, oder der Klimawandel kann dazu führen, dass die Bäume nicht mehr in der erwarteten Form wachsen. Aber auch politische Risiken sind zu beachten. Mittelamerika ist zwar seinem unsicheren Status der 70er Jahre entwachsen, plötzliche Enteignungen etwa in Verbindung mit einem Staatsbankrott sind dennoch nicht auszuschließen. Ob dann jedoch die abgeschlossenen Versicherungen greifen, kann zum heutigen Zeitpunkt niemand sagen.

Die Risiken nicht unterschätzen: Anleger müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass Holz ein sehr volatiler Markt ist und die diversen Anlagemöglichkeiten deshalb erheblichen Schwankungen unterliegen. Fotos: mauritius images
Die Risiken nicht unterschätzen: Anleger müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass Holz ein sehr volatiler Markt ist und die diversen Anlagemöglichkeiten deshalb erheblichen Schwankungen unterliegen. Fotos: mauritius images

Aber auch die Renditeprognosen gilt es zu hinterfragen. Niemand hätte zum Beispiel vor 25 Jahren damit gerechnet, dass zwar die Lebenshaltungskosten in Deutschland deutlich steigen, viele Grundnahrungsmittel – etwa Milch – davon jedoch ausgeschlossen sind. Auch beim Holz ist daher nicht zwingend mit entsprechenden Preissteigerungen zu rechnen, darüber hinaus bestehen Währungsrisiken. Nicht zuletzt hat es der Anleger im Regelfall mit einer ausländischen Fondsgesellschaft zu tun, deren Bonität er hierzulande kaum einschätzen kann. Und gerade dies kann zum Knackpunkt werden. Viele der heutigen Offerten stammen von Gesellschaften, die gerade erst gegründet wurden oder lediglich wenige Jahre bestehen. Erfahrungen können diese oft nicht vorweisen, zudem ist die Kapitaldecke meist recht dünn. Relativ leicht dürften es auch schwarze Schafe in dieser Branche haben, die nach dem Verkauf der Beteiligungen sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden – ohne dass nur ein Euro in eine Plantage geflossen ist. Investiertes Kapital ist dann meist unwiederbringlich verloren, und auch der Gerichtsweg bietet wenig Hoffnung, wenn die Anbieterfirma zum Beispiel in Costa Rica oder Panama beheimatet ist.

Vor einem Einstieg sollten Anleger die Offerte also sehr genau prüfen. Dies beginnt bei der Konstruktion der Anlage, seiner Plausibilität und Absicherung und reicht bis zur detaillierten Prüfung des Anbieters. Schon kleinste Zweifel sollten zu einer Ablehnung führen – selbst wenn die bunten Prospekte ebenso vielversprechend klingen wie die Chance, mit seinem Geld etwas für die Aufforstung des Regenwalds tun zu können.

Zertifikate sind sicherer

Wesentlich flexibler und vor allem sicherer sind hingegen Investment-Alternativen, etwa in Form von Zertifikaten auf den World Timber Total Return Index, die jederzeit wieder verkauft werden können. Hier sind zum Beispiel das Papier der Société Générale (ISIN: DE000SG0TBX1) oder der DWS (ISIN: DE000DWS0H49) zu nennen. Sie profitieren von der Wertentwicklung von Aktien von Unternehmen, die sich im weitesten Sinn mit der Holzverarbeitung befassen. Dabei müssen sich Anleger aber der Tatsache bewusst sein, dass Holz ein sehr volatiler Markt ist und auch der genannte Index erheblichen Schwankungen unterliegt. Allein in den Jahren 2007 bis 2009 hat sich der Index gedrittelt, erst danach kam es zu einem Kursanstieg von knapp über 100 Prozent. Für Holzfans bieten sich daneben Aktien von Holz verarbeitenden Firmen wie Pfleiderer oder Rayonier an – wiederum unter Berücksichtigung der hohen Schwankungsbreiten. Und nicht zuletzt ist es sicherlich eine Überlegung wert, den eigenen Kindern – wie in früheren Jahrzehnten durchaus üblich – ein Stück heimischen Walds zu kaufen, das ihnen einstmals die Altersversorgung aufbessern könnte. Peter Jobst

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