ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 3/2010Investmentfonds: Welche Fonds sich wirklich rechnen

Supplement: PRAXiS

Investmentfonds: Welche Fonds sich wirklich rechnen

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): [24]

Jobst, Peter

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Niedrige Zinsen erschweren die Geldanlage. Die Banken haben ein Allheilmittel parat: Investmentfonds seien die optimale Form der Vermögensbildung. Es lohnt sich, die Angebote zu hinterfragen.

Nach dem IOS-Skandal um Bernard Cornfield in den 60er Jahren konnten sich Investmentfonds in Deutschland lange Zeit kaum etablieren. Die Wende kam erst mit der Wertpapierhausse der 80er Jahre: Fonds verzeichneten oftmals erstklassige Wertentwicklungen, zudem profitierten sie von den in der Werbung beschriebenen Vorteilen wie dem „professionellen Management“ und der „breiten Diversifizierung“. Entsprechend standen Investmentfonds Mitte der 90er Jahre weitgehend gleichwertig neben anderen Anlageklassen wie etwa Aktien oder Rentenwerten.

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Doch dann erkannten Banken und Sparkassen, dass ihnen hauseigene Fondsprodukte weitaus bessere Erträge brachten als der beratungsintensive Aktienhandel. Die Provisionen waren höher, der Verweis auf den Fondsprospekt genügte beim Verkauf, um Kurs-Gewinn-Verhältnisse oder Dividendenrenditen musste man sich nicht mehr kümmern. Und während eventuelle Schieflagen mit explizit empfohlenen Aktien den Kunden verärgerten, konnten schlechte Renditen einer Fondsbeteiligung dem – anonymen – Management der Kapitalanlagegesellschaft angelastet werden. Die Folge: Die Wertpapier- und speziell die Aktienberatung wurden drastisch zurückgefahren, gleichzeitig das Fondsgeschäft massiv ausgebaut. Zahlreiche neue Fonds sowie Koppelungsmodelle, wie etwa die fondsgebundene Vermögensverwaltung oder die Bündelung mehrerer Fonds in sogenannten Dachfonds, wurden nun ins Leben gerufen. Das Geschäft lief prächtig: Manche Fonds konnten binnen weniger Monate zweistellige Milliardenbeträge einsammeln – was sich bei einem Ausgabeaufschlag von bis zu 5,5 Prozent und einer jährlichen Verwaltungsvergütung von durchschnittlich 1,75 Prozent durchaus rechnete. „Zugpferde“ waren dabei insbesondere „neue“ Anlageideen wie der seinerzeitige Technologieboom, der dem Anleger hohe Gewinne innerhalb kürzester Zeit nahezu garantierte.

Das böse Erwachen erfolgte mit der Börsenkrise in den Jahren 2000 bis 2003: Als neue Gewinne ausblieben, zogen enttäuschte Anleger ihre Gelder wieder ab. Die Fonds mussten Teile ihrer Portefeuilles verkaufen. Und jetzt erwiesen sich die milliardenschweren Volumina mancher Fonds als Handicap: Die Märkte waren nicht mehr aufnahmefähig, so dass sich der Abwärtstrend immer mehr verstärkte. Erst als der Verkaufsdruck im Frühjahr 2003 nach einem Kursverfall von durchschnittlich 80 Prozent nachließ, kam es an den Börsen und auch bei den Fonds wieder zu „normalen“ Verhältnissen. Allerdings war beim nachfolgenden Kursanstieg von einem „professionellen Management“ auch nicht mehr viel zu spüren.

Die Banken empfehlen meist nur Fonds

Manche Fondsverwalter waren – oft auf Geheiß ihrer Vorstände – so vorsichtig geworden, dass sie jetzt den Aufschwung quasi an sich vorüberziehen ließen. Das hinderte einige Fondsanbieter allerdings nicht daran, die Gebühren zu erhöhen oder sogar neue Berechnungsmethoden, wie etwa eine Erfolgsbeteiligung – die in den meisten Fällen alles andere als kundenfreundlich anzusehen ist –, einzuführen.

Dass die Verkaufszahlen bei den Fondsanteilen seit einigen Monaten dennoch wieder deutlich steigen, ist vornehmlich auf zwei Gründe zurückzuführen: Zum einen geben Banken und Sparkassen kaum noch konkrete Anlagevorschläge für Rentenwerte oder gar Aktien ab, sondern verweisen nahezu ausnahmslos auf Fonds als Alternative. Unterstützung bekommen sie dabei von den Fondsgesellschaften, die mit umfangreichen Werbekampagnen und Verkaufsförderungsaktionen entsprechende Offerten sponsern. Kunden, die nach einer Beratung Wertpapiere kaufen wollen, werden also quasi direkt
in die Fondsanlage „umgeleitet“. Zum anderen sind aber auch die Anleger vorsichtig geworden: Nachdem sie in den vergangenen Jahren viel Geld
etwa mit hochspekulativen Technologie-Zertifikaten verloren haben, meiden sie jetzt alles, was nach Risiko aussieht oder was entsprechende Fachkenntnisse erfordert. Hier erscheinen die Fonds mit ihrem „professionellen Management“ und der „breiten Streuung“ durchaus wieder als interessante Alternative. Im Übrigen trägt die gute Wertentwicklung vieler Fonds im Jahr 2009 durchaus dazu bei, die vorangegangenen Flops vergessen zu machen.

Dennoch sollten sich Anleger vor dem Kauf einige Gedanken machen. Zunächst gilt es zu klären, ob ein Fonds überhaupt die passende Lösung für die eigenen Anlageziele ist. Ein Sparer, der beispielsweise risikoarm ausschließlich am Rentenmarkt investieren will, kann sich bereits ab einem mittleren fünfstelligen Betrag selbst ein gut sortiertes Portefeuille an Rentenwerten aufbauen – und dies wesentlich preiswerter als über den Umweg des Fonds. Hilfestellung bieten ihm dabei Vergleichstabellen, die etwa die Discountbroker ihren Kunden im
Internet zur Verfügung stellen, sowie die Seiten der Börsen, wie etwa vom Stuttgarter Bondmarkt. Aber auch Aktienfans können mit der gezielten Auswahl einzelner Werte, die man laufend beobachtet, interessante Gewinne machen. Steht entsprechendes Kapital zur Verfügung, kann dabei auch eine breite Streuung erreicht werden, zum Beispiel auf die
besonders dividendenstarken DAX-Werte. Wer schließlich auf ganze Märkte setzen möchte, ist oftmals mit Exchange Traded Funds gut beraten, liegen die Kosten aufgrund des fehlenden aktiven Managements doch deutlich unter den Gebühren einer „klassischen“ Fondsanlage.

Andererseits kommt die Fondsanlage durchaus in Betracht, wenn zum Beispiel regelmäßig kleinere Beträge am Aktienmarkt angelegt werden sollen. Aber auch wer sich in ganzen Regionen engagieren möchte, zum Beispiel in Asien, ist mit einem Fonds meist gut bedient. Vergleichbares gilt für Anleger, die nach etwas chancenreicheren Investments im Rentenbereich suchen: Fonds mit Unternehmensanleihen oder Genussscheinen sind hier oft besser geeignet als die Direktanlage, die hier oftmals erst ab Mindestsummen von 50 000 Euro bis 100 000 Euro möglich ist.

Auf Aufschläge und
Gebühren achten

Basierend auf diesen Anlagezielen gilt der nächste Schritt der konkreten Auswahl eines oder mehrerer Fonds. Dabei sollte jeder Anleger wissen, dass viele Kundenberater die Interessen ihres Arbeitgebers in den Vordergrund stellen. Empfohlen werden also Produkte, für die besondere Verkaufsförderungsaktionen oder Zielvorgaben bestehen. Oftmals handelt es sich auch um neu aufgelegte Fonds, die – glaubt man der Werbung – besonders renditestark sein sollen. Meist ist jedoch genau das Gegenteil der Fall: Die Kosten sind hoch, das Management hat sich noch nicht eingespielt, und vielfach sind auch die empfohlenen Themen
an der Börse schnell wieder aus der Mode gekommen. Günstiger ist daher die gezielte Auswahl erstklassiger, bereits seit Jahren etablierter Fonds auf Basis entsprechender Bewertungen. Im Übrigen sollte man niemals gleich beim ersten Besuch investieren, sondern sich stattdessen über die Angebote im Internet selbst informieren.

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Kosten: Aktienfonds mit Ausgabeaufschlägen von fünf Prozent sind allenfalls für längerfristig orientierte Anleger interessant. Aber auch hohe Preise einer fondsgebundenen Vermögensverwaltung oder eines Dachfonds rechnen sich nicht immer. Genau informieren sollte man sich auch, wenn eine Erfolgsbeteiligung der Fondsgesellschaft vorgesehen ist: Manchmal tritt diese selbst bei einer negativen Wertentwicklung in Kraft, solange zum Beispiel ein maßgeblicher Index „übertroffen“ wird. Hier ist man mit klassischen Fonds mit zum Beispiel 1,5 Prozent Verwaltungsvergütung meist besser beraten.

Gerade bei Fondsanlagen spielt schließlich die Beständigkeit eine wichtige Rolle. Häufiges Umschichten kostet viel Geld und zehrt an der Performance. Gerade der langfristig orientierte Anleger sollte bei Fonds mit breitem Anlagespektrum auch dann am Investment festhalten, wenn sich die Kurse temporär ungünstig entwickeln. Ein schneller Verkauf ist hingegen angesagt, wenn man einen Fonds mit sehr engem Anlagespektrum gewählt hatte und die Wertentwicklung zu wünschen übrig lässt. Selbst wenn der Verkauf mit Verlusten verbunden ist, kann sich eine entsprechende Umschichtung in breiter orientierte Produkte langfristig rechnen.

Peter Jobst

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