ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2010Leichenschau: Wer soll das bezahlen?
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. . . „Zu den Vorschlägen gehört, die Leichenschau zu ,professionalisieren‘, indem sie in die Hände speziell ausgebildeter Ärzte gelegt wird mit Anbindung an Gesundheitsämter und an forensische Institute der Universitäten. Klinik- oder Hausärzte würden dann den Tod feststellen, nicht aber Todesart und -ursache“. Das hört sich alles gut an, auch im Hinblick auf die immer wieder beschriebenen „Fehlleistungen“ bei der obligatorischen ärztlichen Leichenschau . . . Doch wie soll das bei 844 000 Todesfällen pro Jahr in Deutschland zu finanzieren sein? Natürlich ginge das nur über mehr Personal. Wo ist das dafür qualifizierte Personal, und wer soll das letztlich bezahlen? Nun, Einsparungen könnten sich dadurch ergeben, dass dann eine zweite Leichenschau vor der Einäscherung entfallen würde. Die zweite Forderung nach mehr Obduktionen ist auch nicht umsonst zu haben. Die flächendeckende Einführung der „Verwaltungssektion“ könnte hier ein Ansatz sein. Auch ist zu fragen, warum immer noch nach der Strafprozessordnung zwei Ärzte bei der gerichtlichen Obduktion zugegen sein müssen. In den Universitätsinstituten sind beide zu entschädigen. Warum genügt nicht unter dem „Vorläufigen Gutachten“ allein die Unterschrift des ersten Obduzenten (Institutsdirektor, leitender Oberarzt, Facharzt für Rechtsmedizin)? In der heutigen Zeit der leeren Kassen sollten diese Fragen kein Tabu mehr sein. Das heißt ja nicht, dass nicht auch der Assistenzarzt, der an der Obduktion teilgenommen hat, mit unterschreiben darf, wie dies auch sonst im klinischen Alltag üblich ist. Alle diese Fragen sind ja nicht neu (Leichenschau-Ärzte, Krematoriums-Leichenschau, Verwaltungssektion, zweiter Obduzent). Sie werden mit einer gewissen Regelmäßigkeit immer wieder einmal gestellt. Und noch etwas sollte bedacht werden: Wenn man den Vorschlägen folgen würde, stellt sich die Frage, ob dann die Rechtsmedizin überwiegend nur noch den Auftrag der Weiterbildung beziehungsweise der Spezialisierung für die Leichenschauärzte in den Gesundheitsämtern und in den Instituten für Rechtsmedizin hätte. Man könnte dann auf die Rechtsmedizin im normalen Studiengang (Humanmedizin) leicht verzichten. Der „Ökologische Kurs – Teil Rechtsmedizin“ bestand bei uns fast ausschließlich aus Anleitungen zur ärztlichen Leichenschau im Seziersaal an der Leiche. Der Nicht-Leichenschauarzt hätte damit dann aber nichts mehr zu tun (Erkennung der nichtnatürlichen Todesart). Mir scheint, dass viele Fragen noch nicht abschließend durchdacht

sind . . .

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Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Volkmar Schneider, 12307 Berlin

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