ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2010Soziales Ärztenetzwerk: Gutes tun, das Image verbessern

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Soziales Ärztenetzwerk: Gutes tun, das Image verbessern

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): A-1789 / B-1577 / C-1557

Gerst, Thomas

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Foto: Photothek
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Die Stiftung „docstogether.net“ will über Spenden aus der Ärzteschaft karitative Projekte im Gesundheitswesen unterstützen und das soziale Engagement der Berufsgruppe zeigen.

Es ist wichtig, zu zeigen, dass man sich für soziale Projekte engagiert, die letztendlich den Patienten zugutekommen, und nicht immer nur am Gesundheitssystem verdienen will.“ Für Prof. Dr. med. Ulrich Brandl, Leiter der Neuropädiatrie an der Universität Jena, ist die gerade ins Leben gerufene Stiftung „docstogether.net – Soziales Ärztenetzwerk Deutschland“ genau der richtige Weg, um der sozialen Verantwortung der Ärzteschaft gerecht zu werden und gleichzeitig zu deren Imageverbesserung beizutragen. An Gelegenheiten, positive Signale auszusenden an eine Gesellschaft, der es doch zum überwiegenden Teil wirtschaftlich nicht so gut gehe wie den Ärzten, mangele es nicht, betont Brandl. Hospizbetreuung, Versorgung schwerstkranker Schmerzpatienten, sozialpsychiatrische Versorgung, Unterstützung der Angehörigen von Schwerstkranken, Verhütung und Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten – vielfältig seien die Versorgungsbereiche, in denen es nicht zum Besten stehe und mit gezielter Unterstützung viel Gutes durch eine Stiftung von Ärzten bewirkt werden könne.

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Mit wenig viel bewegen

Brandl ist derzeit der Vorsitzende des Stiftungsbeirats von Docstogether; dieser entscheidet über die Verwendung von Spenden gemäß dem in der Satzung festgelegten Stiftungszweck. Stifterin des Grundstockvermögens in Höhe von 20 000 Euro ist die Berliner Ärztin Ulrike Lipke, die gemeinsam mit Kollegen aus der Hauptstadt die Idee eines sozialen Ärztenetzwerks entwickelte. „Viel zu selten gehen wir mit positiven Meldungen in die Öffentlichkeit“, kritisiert Lipke. Viele Ärztinnen und Ärzte würden sich sozial betätigen, doch zu selten werde darüber berichtet. Ziel der Stiftung sei es auch, den Menschen in Deutschland zu zeigen, dass Ärzte sich wirklich engagierten und ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnähmen. Lipke will dieses vielfältige ärztliche Engagement mit ihrem Projekt bündeln.

Angestrebt worden sei eine einfache und kostengünstige Lösung via Internet (www.docstogether.net), mit der möglichst viele Ärzte zu einem vergleichsweise niedrigen Spendenbeitrag in Höhe von zehn Euro im Monat, das heißt 120 Euro jährlich, bewegt werden sollen. Auf Großspenden aus der Industrie wolle man verzichten, betont Lipke, um das Entstehen von Abhängigkeiten von vornherein auszuschließen. Industriebanner auf der Homepage werde es nicht geben. Auch Beiratsvorstand Brandl will die Industrie außen vor lassen. Er will vermeiden, dass die Ärzte, die sich an Docstogether beteiligen, zum verlängerten Arm von einigen Großprojekten werden. „Wenn eine Firma 100 000 Euro spendet, wird sie auch Einfluss zu nehmen versuchen, wohin die Gelder gelenkt werden – und genau das wollen wir nicht; diese Stiftung soll eine Stiftung der Ärzte sein, und die Stiftungsgelder, die verteilt werden, sind auch nur die Gelder der Ärzte.“

Auf einer Liste im Internet werden alle Ärzte, die gespendet haben, verzeichnet. Gezielt kann in einzelnen Regionen Deutschlands nach Spendern gesucht werden. Patienten haben so die Möglichkeit, in ihrem Umfeld Ärzte zu finden, die sich über ihre ärztliche Betätigung hinaus engagieren. Docstogether.net ist als gemeinnützige Stiftung anerkannt; Spendenquittungen werden nach Abbuchung der Spende per E-Mail zugesandt. Es sei das Bestreben von Docstogether, versichert Brandl, die Infrastruktur der Stiftung möglichst schlank zu halten und die eingehenden Spendengelder tatsächlich zu 100 Prozent an karitative Projekte weiterzuleiten.

Da die Stiftung sich noch in der Anlaufphase befindet, kann man derzeit noch nicht auf große Vorzeigeprojekte verweisen. Um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen, soll künftig auf medizinischen Kongressen und Tagungen die Werbetrommel gerührt werden. Wie hoch die Bereitschaft der Ärzte sei, sich an Docstogether zu beteiligen, könne er nicht abschätzen, meint Brandl. Aber wenn sich nur zehn Prozent aller Ärzte motivieren ließen, wäre dies ein großer Erfolg. „Die Spendenhöhe ist ja nicht astronomisch – sie soll signalisieren: Gemeinsam können wir viel erreichen, auch wenn jeder nur mit einem relativ geringen Betrag beteiligt ist.“

Thomas Gerst

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