ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2010Das Gespräch: Respekt ist ein Teil des Lohns
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Das Gespräch mit Schwester Edith-Maria Magar, der Aufsichtsratsvorsitzenden der Marienhaus GmbH ist eine Offenbarung.

Die Führung eines katholischen Krankenhauses kann offenbar erfolgreich auf Augenhöhe zwischen der Verwaltung und den Ärzten stattfinden. Ärztlicher Sachverstand, aber auch Entscheidungsbefugnisse für Ärzte im Tagesgeschäft sind in der Marienhaus GmbH selbstverständlicher Alltag. So sagt Schwester Edith-Maria Magar: „Wir haben verstanden, dass ein Krankenhaus wesentlich von den Ärzten lebt“.

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Wer in einem Krankenhaus arbeitet, welches diese wichtige Grunderkenntnis noch nicht gewonnen hat und glaubwürdig lebt, weiß, dass die Uhr gegen das betreffende Krankenhaus selber heftig tickt. Denn das Fallpauschalensystem DRG hat zwangsläufig die fachliche Kompetenz der Ärzte gegen das frühere alleinige Verhandlungsgeschick der Verwaltungen im alten Kostendeckungsprinzip – von vielen unbemerkt – ausgetauscht. Wenn sich heute Verwaltungsdirektoren in OP-Abläufe und andere ärztliche Arbeitsbereiche einmischen, dann fühlt man sich wie ein erfolgreicher Bäcker, dem jemand, der noch nie in der Backstube war, vorschreiben will, wie heiß der Ofen sein soll! Früher ging das irgendwie! Egal, was passierte, bei den Kassenverhandlungen wurde solches Fehlverhalten unbemerkt einfach mitbezahlt!

Gleichzeitig haben sich die Ärzte unter dem Druck betriebswirtschaftlicher Kenngrößen wie dem Case-Mix-Index und auch dem Arbeitszeitgesetz verändert. Dadurch geht der „Spirit“ verloren, die eigentliche Botschaft, warum man Medizin macht!

Das Gespräch mit Schwester Edith-Maria reflektiert den glaubwürdigen Respekt, den die Leitung der Marienhaus GmbH ihren Ärzten zollt. Jeder im Arztberuf weiß, dass Respekt und ehrliche Anerkennung ein wesentlicher Teil des Lohns des Arztes ist. Ohne diesen Respekt kann ein Krankenhaus nach innen wie nach außen nicht funktionieren. Es verliert den Kontakt zum Patienten, zu den Zuweisern und kann sich dem Markt nicht mehr durch Innovationen anpassen . . .

PD Dr. med. Lucien C. Olivier, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie,
St.-Josefs-Hospital Cloppenburg, 49661 Cloppenburg

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