ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2010Schach: Alterselixier Schach

SCHLUSSPUNKT

Schach: Alterselixier Schach

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): [104]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Die von Prof. Dr. med. Peter Rieckmann am Klinikum Bamberg initiierte „NeuroWoche“ (mit Aktionen einschließlich eines „Begehbaren Gehirns“ und populärwissenschaftlichen Vorträgen für die breite Bevölkerung) kündigte ich bereits im „Deutschen Ärzteblatt“ vom 11. Juni an. Mit einem wissenschaftlichen Symposium zu Erkrankungen des Zentralnervensystems ging die „NeuroWoche“ zu Ende.

Ganz zum Schluss demonstrierte der dreifache Vize-weltmeister Viktor Kortschnoi bei einem Simultanspiel an 30 Brettern sein außergewöhnliches Können, als er gegen starke Gegnerschaft 24 Partien gewann, fünfmal remisierte und nur einmal verlor. Gegen wen wohl? „Natürlich“ gegen Prof. Dr. med. Peter Krauseneck, den Vorgänger Prof. Rieckmanns als Direktor der Neurologie. Offenbar mit einem beneidenswerten Arsenal an Angst abwehrenden Neuronen ausgestattet, ließ dieser seinen von Kortschnois Streitmacht wild attackierten König mutig ins freie Feld wandern und dort alle Stürme und Gefahren heil überstehen. Fast so wie im Märchen, wo einer auszog, das Fürchten zu lernen.

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Es war indes für alle Anwesenden beeindruckend mitzuerleben, wie der bereits 79-jährige, von Herzbeschwerden gezeichnete Kortschnoi in seinem Elixier „Schach“ geradezu aufblühte und ihm von Läufer, Springer & Co. frische Kräfte zuzuwachsen schienen. Ganz nach dem Motto „Altersfrisch durch Schach“, dem auch ich einige vorangegangene Anmerkungen widmete.

Besonders freute ich mich, dass auch einige Kollegen von den Ärzteturnieren, wie Dr. Hofstetter, Dr. Knoblach und Dr. Weiß, nach Bamberg gekommen waren. Letzterer brachte mir sogar einige Gedanken der heiligen Teresa von Avila zum Älterwerden mit. Wie „Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr“. Die Schutzpatronin der spanischen Schachspieler konnte aber auch recht handfest daherkommen: „Wer nicht Schach bieten kann, kann auch nicht mattsetzen!“ Und dieses Spruches sollten Sie eingedenk sein, wenn Sie mit Kortschnoi als Weißem am Zug den schwarzen König unter Blitz und Donner in vier Zügen mattsetzen. Wie geht’s?

Lösung:

Scheinbar ist dem schwarzen König nicht beizukommen. Doch opferfreudig geht es sehr wohl: 1. Dg7+ Ke8 und nun das Damenopfer 2. Dxe7+! Kxe7 3. Tg7+ Ke8 4. Sf6 matt. Ein köstliches Epaulettenmatt: Die Epauletten Turm d8 und Springer f8 nehmen ihrem König die lebensnotwendigen Fluchtfelder.

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