ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2010Neue Mikrobizidstudie enttäuscht

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Neue Mikrobizidstudie enttäuscht

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): A-1778 / B-1566 / C-1546

Zylka-Menhorn, Vera

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Die Hoffnungen auf einen besseren Schutz vor Infektionen mit dem Immunschwächevirus (HIV) durch Mikrobizide haben einen Dämpfer bekommen: Einer in Afrika vorgenommenen Langzeitstudie zufolge schützt das Vaginalgel PRO 2000 (Naphthalin-2-Sulfonat-Polymer) sexuell aktive Frauen über 18 Jahre nicht vor einer Übertragung des Aidserregers. Wie Dr. Sheena Mc Cormick (UK Medical research Council, London) am Montag der Internetausgabe von „The Lancet“ berichtete, wurde das Gel von mehr als 9 300 Frauen in zwei unterschiedlichen Konzentrationen (0,5 und zwei Prozent) gegenüber Placebo geprüft. Die Frauen wurden zwölf, 24, 40 und 52 Wochen nach Testbeginn in 13 Kliniken in Südafrika, Tansania, Uganda und Sambia auf ihren HIV-Status untersucht.

Obwohl das Mikrobizid in Tierversuchen erfolgreich war, wurde der Studienarm mit der 2%igen Lösung im Februar 2008 von einer unabhängigen Kommission mit der Begründung geschlossen, dass wahrscheinlich nur wenige Frauen vom Gebrauch des Vaginalgels profitieren werden. Die Untersuchungen mit der 0,5%igen Lösung gegenüber Placebo wurden aber weitergeführt.

Das Vaginalgel erwies sich zwar als gesundheitlich unbedenklich, am Studienende aber wies die Schutzrate zwischen der Verum- und der Kontrollgruppe nur geringe Unterschiede auf, obwohl 89 Prozent der Frauen den regelmäßigen Gebrauch vor dem Geschlechtsverkehr bestätigten.

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Die HIV-Inzidenz je 100 Frauenjahre betrug bei Abbruch des Studienarms der 2%igen Lösung für alle Teilnehmerinnen: 4,7 für die 2%ige Lösung, 3,9 für die 0,5%ige Lösung und 3,9 für Placebo. Bei Studienende hatte sich der Parameter wie folgt verändert: 4,5 für die 0,5%ige Lösung und 4,3 für Placebo (Hazard Ratio 1,05, 95%-Konfidenzintervall 0,82 bis 1,34 und p = 0,71).

Seit zwei Jahrzehnten wird intensiv an der Entwicklung von Mikrobiziden geforscht. Da sie von Frauen auch ohne Wissen ihres Partners verwendet werden können, bietet ein Vaginalgel ihnen die Möglichkeit, ihre sexuelle Gesundheit auch in Situationen zu kontrollieren, in denen sie nicht in der Lage sind, die Verwendung eines Kondoms zu verlangen.

Erst im Juli hatte die bei der Weltaidskonferenz in Wien vorgestellte CAPRISA-004-Studie optimistische Reaktionen über die Zukunft von Mikrobiziden ausgelöst. Ersten Tests zufolge reduzierte ein tenofovirhaltiges Vaginalgel das Risiko der HIV-Infektion um circa 39 Prozent. zyl

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