ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2010Praxisführung: Klimagipfel in der Arztpraxis

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Praxisführung: Klimagipfel in der Arztpraxis

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): [103]

Jürgens, Ute

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Foto: iStockphoto
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Es gibt viele Möglichkeiten, eine Arztpraxis rundum gesundheits- und umweltbewusst zu gestalten. Dies kann zudem zu einer besserer Außenwirkung beitragen.

Die moderne Arztpraxis ist nicht in erster Linie auf Umweltfreundlichkeit ausgerichtet. Da es bei ökologischem Handeln im Kern um Gesundheit geht, stehen jedoch gerade Heilberufler in der Verantwortung. Ein „Klimagipfel“ in der Arztpraxis kann helfen, das Arbeitsumfeld gesundheitsfreundlicher zu gestalten.

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Die Leitlinie sollte sein: „Was ist gesundheitsschädlich für die Umwelt und damit für uns selbst und die Patienten?“ Das fängt bei ganz einfachen Dingen an, wie der Frage, ob immer und überall das Licht brennen muss und hört bei der Beratung der Patienten auf.

  • Dabei empfiehlt es sich, vom Eingang bis zum Hinterausgang und Keller einmal durch alle Räume zu gehen und auch den Außenbereich der Praxis nicht zu vergessen.
  • So muss im Winter beispielsweise vor dem Haus nicht zwingend Salz gestreut werden, das Bäume schädigt und ins Grundwasser und somit auch in die Nahrungskette gelangen kann. Statt reinen Salzes lässt sich auch ein Salz-Sand-Gemisch verwenden, wenn es nicht sogar ganz ohne geht.
  • Als Nächstes kommen die Fußmatte und die Reinigungsmittel für Fußboden, Türklinkendesinfektion et cetera dran. Hier stellt sich zum Beispiel die Frage, ob die Matte ständig in die Reinigung muss. Aber halt! Nicht gleich eine neue Matte kaufen, sondern mit der Neuanschaffung lieber warten, bis die alte nicht mehr zu benutzen ist. Des Weiteren gilt es zu überprüfen, ob der Fußboden grundsätzlich desinfiziert werden muss. Eventuell reichen auch Wasser oder ein Essigreiniger.
  • Weiter zum Empfang. Die Praxis kann nicht nur Papier, sondern auch Geld sparen, wenn Patienten zur Terminerinnerung nicht automatisch einen Merkzettel oder andere schriftliche Informationen in die Hand gedrückt bekommen. Auf die Frage „Möchten Sie das lieber schriftlich?“ sagen viele Patienten mitunter „Nein, danke, das geht schon so“.
  • Als umweltfreundlich erweist es sich auch, Flyer oder Prospekte nicht in Hochglanz anzubieten. Druckereien bieten inzwischen auch normales unbeschichtetes Recyclingpapier an. Das ist heutzutage nicht nur in mausgrau, sondern auch in weiß oder bunt in bester Qualität zu haben.
  • Bücher, die nicht mehr benutzt werden oder nicht mehr aktuell sind, gehören in den Papiercontainer. Das Gleiche gilt für ausrangierte Zeitschriften, Printwerbung, Schmierpapier, Pappen und Kleinkram aus Papier. Auf diese Weise lässt sich eine Menge Restmüll sparen.
  • Sprechen Sie auch Ihre gewohnten Lieferanten auf ökologisches Handeln an. Die Nachfrage allein kann schon etwas bewirken. Sicherlich gibt es gesundheitsbewusst handelnde Firmen in der Praxisregion, was auch noch lange Anfahrtswege erspart.
  • Verfallene Arzneimittel wiederum lassen sich über die Apotheke entsorgen. In einigen Kommunen dürfen Medikamente auch in den Hausmüll, da alles bei Höchsttemperaturen verbrannt wird.
  • Und wie sieht es mit Kartons, Luftkissenpolstern und ähnlichem Verpackungsmaterial aus? Direktlieferanten sind verpflichtet, Verpackungsmaterialien zurückzunehmen. Darauf sollte Ihr Praxisteam den jeweiligen Lieferanten durchaus mal hinweisen.
  • Ein Beitrag zum Umweltschutz lässt sich schließlich auch durch den sparsamen Einsatz von Heizwärme und Licht leisten. So sollte man bei ausreichendem Tageslicht auf künstliche Lichtquellen verzichten. In der Toilette reicht unter Umständen ein Bewegungsmelder.
  • Für die Heizung wiederum empfiehlt es sich, diese an den Wochenenden niedriger einzustellen als in der Woche. Die örtlichen Energieversorger bieten teilweise eine kostenfreie Begehung oder Energiemessgeräte an.

Ute Jürgens

info@kommed-coaching.de

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