ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2010Thoraxschmerz: Einfacher Score zum Ausschluss der KHK

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Thoraxschmerz: Einfacher Score zum Ausschluss der KHK

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): A-1812 / B-1586 / C-1566

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Hausärzte stehen oft vor der Frage, ob Thoraxschmerzen das Symptom einer koronaren Herzkrankheit (KHK) sind: Einerseits sollten sie keine ernsthafte Erkrankung übersehen, andererseits Überdiagnostik und Überbehandlung vermeiden.

Ein internationales Forscherteam unter Federführung der Abteilung Allgemein- und Familienmedizin der Universität Marburg hat einen für die Primärversorger einfach anwendbaren und zuverlässigen Score zum Ausschluss einer KHK entwickelt. An der diagnostischen Querschnittstudie haben sich 74 hausärztliche Praxen beteiligt. In die Kohorte für die Ableitung der dia-gnostischen Kriterien wurden konsekutiv 1 249 Patienten mit allen Informationen zur Symptomatik und klinischen Befunden im Zusammenhang mit Thoraxschmerzen aufgenommen. Ein unabhängiges Referenzkomitee aus Allgemeinärzten und Kardiologen entschied nach 6 Monaten auf Basis aller Befunde über die dem Schmerz zugrundeliegende Diagnose. 10 Variablen erwiesen sich in der multivariablen Regressionsanalyse als statistisch signifikant assoziiert mit einer KHK. Da der Ausschluss von 5 Variablen die Vorhersagekraft des Scores nur wenig minderte, wurden die übrigen 5 Komponenten in einer Validierungskohorte mit 672 Patienten prospektiv geprüft: Alter und Geschlecht (Frauen 65 Jahren oder älter, Männer 55 Jahre oder älter), eine schon bekannte, klinische Gefäßerkrankung, Schmerzverstärkung bei körperlicher Anstrengung, Schmerz nicht reproduzierbar bei Palpation und die Vermutung des Patienten, der Schmerz habe eine kardiale Ursache. Sind weniger als 3 dieser 5 Komponenten positiv, beträgt die Sensitivität für den Ausschluss einer KHK 87,1 % bei einer Spezifität von 80,8. Bei einer KHK-Prävalenz von 15 % im hausärztlichen Versorgungsbereich ergibt sich daraus eine KHK-Wahrscheinlichkeit von unter 5 %.

Fazit: Ein neuer Score kann dem Hausarzt die Entscheidung darüber erleichtern, ob eine intensive, differenzialdiagnostische Abklärung einer KHK bei einem Patienten mit Thoraxschmerzen notwendig ist. Der Score werde Eingang in die S3-Leitlinien zur differenzialdiagnostischen Abklärung von Brustschmerz der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmediziner finden, sagte Dr. med. Stefan Bösner (Marburg) gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Bösner S, Haasenritter J, Becker A et al.:
Ruling out coronary artery disease in primary care: development and validation of a simple prediction rule; Journal of the Canadian Medical Association. 182; 2010: 1295–300.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema