ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2010Epilepsiechirurgie: Keine langfristigen Einbußen der kognitiven Leistung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Epilepsiechirurgie: Keine langfristigen Einbußen der kognitiven Leistung

Dtsch Arztebl 2010; 107(38): A-1812 / B-1586 / C-1566

Gulden, Josef

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Eine Operation ist oft die einzige Option, um Patienten mit Temporallappenepilepsie von ihren schweren Anfällen zu befreien. Die kognitiven Konsequenzen eines solchen Eingriffs wurden bisher meist nur über ein bis zwei Jahre untersucht – mit widersprüchlichen Ergebnissen.

Epileptologen an der Universität von Göteborg, Schweden, untersuchten 51 Patienten nach Temporallappenresektion (23 im sprachdominanten, die übrigen im nichtdominanten Temporallappen) und 23 gesunde, altersentsprechende Patienten einer Kontrollgruppe. Zu Beginn sowie nach 2 und 10 Jahren wurden standardisierte Tests zur allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit (Wechsler Adult Intelligence Scale-Revised) und zum verbalen und visuellen Gedächtnis (Claeson-Dahl Learning and Retention Test, CM – visual part, Rey-Osterrieth Complex Figure Test) durchgeführt. Bei den Patienten, die im Mittel mit 34 Jahren an der sprachdominanten Hemisphäre operiert worden waren, zeigte sich gegenüber den anderen Patienten und der Kontrollgruppe nach 2 Jahren eine Verschlechterung des verbalen Gedächtnisses, die sich aber nach 10 Jahren nicht verstärkt hatte. Diese Gedächtniseinbußen waren unabhängig von der Persistenz der Anfälle oder der Behandlung mit Antikonvulsiva. Patienten, die im Mittel mit 33 Jahren am nichtsprachdominanten Temporallappen operiert worden waren, hatten sich nach 10 Jahren im IQ der Wechsler-Skala im Vergleich zu der gesunden Kontrollgruppe weniger stark verbessert. Ein schlechterer IQ korrelierte hier mit einem Persistieren der Anfälle, das in dieser Gruppe häufiger war.

Fazit: Die Verschlechterung des verbalen Gedächtnisses 2 Jahre nach der Operation in der sprachdominanten Hemisphäre ist schon häufig beschrieben worden. Das neue Ergebnis dieser longitudinalen Untersuchung ist, dass der kognitive Zustand sich über die folgenden 8 Jahre nicht verschlechtert hatte. Dieser Aspekt könnte für die Beratung von Patienten, bei denen eine solche Operation erwogen wird, relevant sein. Josef Gulden

Andersson-Roswall L et al.: Cognitive outcome 10 years after temporal lobe epilepsy surgery: A prospective controlled study. Neurology 2010; 74: 1977–85.

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