ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2010Kardiovaskuläre Ereignisse: Welche Patienten sind am stärksten gefährdet?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiovaskuläre Ereignisse: Welche Patienten sind am stärksten gefährdet?

Dtsch Arztebl 2010; 107(39): A-1861 / B-1633 / C-1609

Heinzl, Susanne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Patienten mit Atherothrombose haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Unklar ist bislang, wie stark das Risiko bei stabilen Patienten durch weitere Komorbiditäten wie ischämische Ereignisse, Gefäßerkrankungen oder Diabetes mellitus jeweils erhöht wird. Dieser Frage wird im REACH-Register nachgegangen, von dem nun eine Vierjahresanalyse vorliegt.

Das REACH-Register ist das erste Register für ambulante Patienten mit koronarvaskulären, zerebrovaskulären oder peripheren arteriellen Erkrankungen oder einer Kombination hoher Risikofaktoren, das weltweit Ereignisrate und Behandlungsmuster erfasst. Das Register wird von Sanofi-Aventis, Bristol-Myers-Squibb und der Waksman Foundation unterstützt.

In der Vierjahresanalyse wurden die Daten von 45 227 Patienten von 3 647 Zentren in 29 Ländern berücksichtigt. Die Patienten waren im Durchschnitt 68,4 Jahre alt, zwei Drittel waren Männer. Sie litten häufig an Hypercholesterinämie (70,4 %) und Hypertonie (81,3 %). Ein Diabetes mellitus lag bei 43,6 % und eine Mehrgefäßerkrankung bei 15,9 % vor. Die Mehrzahl wurde mit Acetylsalicylsäure und Statinen behandelt. Im Beobachtungszeitraum trat bei 5 481 Patienten mindestens ein Ereignis ein, es kam zu 2 315 kardiovaskulären Todesfällen, 1 228 Herzinfarkten, 1 898 Schlaganfällen, und bei 40 Patienten traten sowohl ein Herzinfarkt als auch ein Schlaganfall auf. Die Ereignisrate war für Patienten, die bereits ein ischämisches Ereignis erlitten hatten, mit 18,3 % am höchsten, während sie bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit, zerebraler oder peripherer Gefäßerkrankung mit 12,2 % niedriger war. Das geringste Risiko hatten Patienten ohne Atherothrombose, aber mit Risikofaktoren; hier betrug die Ereignisrate 9,1 %. Das Risiko für weitere Ereignisse steigt, zum Beispiel bei Vorliegen einer Mehrgefäßerkrankung oder eines Diabetes mellitus, deutlich (Tabelle).

Fazit: Die Vierjahresanalyse des REACH-Registers ergibt zur Risikoabschätzung ein einfaches Modell: Das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis ist für die Patienten relativ niedrig, bei denen „nur“ klassische Risikofaktoren, aber noch keine akute Gefäßerkrankung vorliegt. Bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder einem sonstigen Ereignis vor mehr als einem Jahr ist das Risiko mittelhoch, bei kürzer zurückliegenden Ereignissen jedoch sehr hoch. Potenziert wird das Risiko zudem bei Vorliegen eines Diabetes mellitus.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Bhatt DL et al.: Comparative determinants of 4-year cardiovascular event rates in stable outpatients at risk of or with atherothrombosis. JAMA 2010; 304: Online-Publikation am 30. August 2010. doi:10.1001/jama.2010. 1322.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema