ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2010Börsebius: Schreckliche ETF

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Börsebius: Schreckliche ETF

Dtsch Arztebl 2010; 107(39): A-1876 / B-1648 / C-1620

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Zugegeben, ich mag Exchange Traded Funds (ETF) nicht besonders. Schon vor zwei Jahren habe ich an dieser Stelle „Mit ETF alle Sorgen los?“ (DÄ 44/2008) darauf hingewiesen, dass ein ETF niemals performanceorientiert sein kann, da er eben lediglich einen Index nachbildet. Steigt also der zugehörige Index – zum Beispiel bei einem DAX-orientierten ETF der DAX –, dann steigt auch der Kurs des börsennotierten Papiers, und genau geht er halt auch runter, wenn es mit dem Aktienindex bergab geht.

Wirklich sexy ist das nicht, zumal im Übrigen bei mehreren ETF-Produkten ausgeschüttete Dividenden eben nicht der Anleger zukommen, sondern dem Fondsinitiator zufließen.

Fans von ETF halten dem entgegen, dass – aufgrund der allgemein bekannten Tatsache, teuer bezahlte Fondsmanager könnten (mit ihren Einzelengagements) ihre Vergleichsindizes ohnehin nicht schlagen – es viel besser wäre, einfach passive Fonds zu bilden, in den zum Beispiel alle DAX-Werte gekauft werden, ohne großartige Investmententscheidungen zu treffen.

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Diese börsennotierten Exchange Traded Funds wären darüber hinaus noch unschlagbar attraktiv, weil eben nur ein paar Cent als Kosten anfielen und nicht die üblichen erheblichen Transaktionskosten für den mehrfachen Kauf und Verkauf von Aktien.

Diese Argumentation kam auf dem Markt ziemlich gut an. Wir wissen alle, wie erfolgreich ETF unter die Leute gebracht werden. Die Größenordnungen in diesen Produkten gehen mittlerweile in den Milliardenbereich. Im Grunde aber sind ETF ja gerade deswegen so prima verkäuflich, weil die Fondsmanager aktiv gemanagter Fonds nicht gut genug sind.

Also, wo ist das Problem, mögen Sie jetzt einwenden. Es kann doch jeder Anleger für oder gegen ETF sein, gerade so, wie es ihm beliebt. Richtig, dagegen ist auch prinzipiell nichts einzuwenden. Soll ja auch jeder nach seiner Fasson selig werden.

Nun wird aber dank eines alarmierenden Berichts der Bank von England ruchbar, dass immer mehr Anbieter zwar das Label ETF verwenden, aber völlig intransparente Inhalte verkaufen. Es werden teilweise gar nicht die zum Index gehörenden Aktien gekauft, sondern irgendwelche synthetischen Produkte oder auch nur sogenannte Terminkontrakte (Derivate). Wenn ein Derivat dann platzt, gibt es null Gegenwert. Dass ein Emittent eines Derivats pleitegehen kann, ist nichts Außergewöhnliches. Eigentlich kennen wir das ja alles schon aus der Finanzmarktkrise.

Also: Nicht überall, wo ETF draufsteht, ist auch Werthaltiges drin. Nicht überall, wo ETF draufsteht, kann der Anleger ruhig schlafen. Wie schrecklich.

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