ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2010Nachwuchssorgen in der Rheumatologie

AKTUELL: Akut

Nachwuchssorgen in der Rheumatologie

Dtsch Arztebl 2010; 107(39): A-1836 / B-1612 / C-1588

Warpakowsk, Andrea

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In Deutschland leiden circa 440 000 Menschen an einer rheumatoiden Arthritis und fünf Millionen an arthrosebedingten Beschwerden. Insgesamt 253 Rheumatologen, davon 161 internistische Rheumatologen, sind zur Weiterbildung des Nachwuchses ermächtigt. Allerdings könnten nur zwei Drittel von ihnen auch Nachwuchsärzte ausbilden, weil entweder Stellen abgebaut oder aber nicht wieder besetzt würden, monierte Prof. Dr. med. Jürgen Wollenhaupt, Sprecher der Kommission Fort- und Weiterbildung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, auf Basis einer aktuellen Umfrage. Dabei sei die Rheumatologie eines der letzten Fächer, in dem Fachärzte Patienten auch langfristig betreuen könnten und eine Praxistätigkeit auch innovative Tätigkeitsfelder umfasse, sagte Wollenhaupt bei der Jahrestagung der Fachgesellschaft in Hamburg.

Vor allem für die Versorgung rheumakranker Kinder gebe es zu wenig Spezialisten, erläuterte Dr. med. Nikolay Tzaribachev. In Deutschland wird die Zahl der Kinder mit einer entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankung auf etwa 14 000 geschätzt. Tzaribachev geht aber von einer sehr viel höheren Dunkelziffer aus, da die Diagnose, wenn überhaupt, oft sehr spät gestellt wird. Die Kinder- und Jugendrheumatologie ist ein relativ junges Fach, und das Behandlungsspektrum umfasst unter anderem unklare Gelenkschmerzen im Allgemeinen, Erkrankungen aus dem autoimmunen Formenkreis, häufiges beziehungsweise regelmäßiges Fieber und Schmerzverstärkungssyndrome beziehungsweise Fibromyalgie. Die juvenile idiopathische Arthritis ist die zweithäufigste Ursache für entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankungen im Kindesalter.

Die Behandlung des kindlichen Rheumas benötigt Tzaribachev zufolge ein interdisziplinäres Team, vor allem auch wegen der Besonderheiten des kindlichen Rheumas, wie häufige Uveitis und Kiefergelenkentzündung. Der Mangel an spezialisierten Ärzten erschwere jedoch eine zeitnahe Versorgung. So gebe es in Schleswig-Holstein nur vier Kinderrheumatologen, in Hamburg sogar nur einen. In Mecklenburg-Vorpommern sei der Fachbereich völlig verwaist, so dass die Kinderrheumatologen aus Schleswig-Holstein und Hamburg auch die jungen Patienten aus Mecklenburg-Vorpommern mitversorgen müssten. „Trotz dieser geringen Anzahl an Spezialisten, versuchen wir, eine möglichst optimale Versorgung zu gewährleisten, indem wir unsere Kooperationen ausweiten und Nachwuchs ausbilden“, betonte Tzaribachev. Andrea Warpakowsk

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