ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2010Buchmarkt: Viele E-Reader, noch wenig Inhalte

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Buchmarkt: Viele E-Reader, noch wenig Inhalte

Dtsch Arztebl 2010; 107(39): A-1866 / B-1640 / C-1613

Krüger-Brand, Heike E.

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Die Buchhandelskette Thalia stellt bei der Frankfurter Buchmesse ein eigenes elektronisches Lesegerät vor, den E-Reader Oyo. Foto: Thalia
Die Buchhandelskette Thalia stellt bei der Frankfurter Buchmesse ein eigenes elektronisches Lesegerät vor, den E-Reader Oyo. Foto: Thalia

Fallende Preise der Lesegeräte tragen dazu bei, dass sich elektronische Bücher auch hierzulande allmählich zum Verkaufsschlager entwickeln.

Deutschland hat Nachholbedarf beim Thema E-Books: Einer Umfrage von Pricewaterhouse-Coopers unter 1 000 Konsumenten zufolge weiß nur rund die Hälfte mit dem Begriff E-Book überhaupt etwas anzufangen. Lediglich ein Fünftel der Befragten konnte erklären, was ein E-Reader ist. Immerhin gibt es auf dem Markt inzwischen eine Vielzahl von Geräten, mit denen elektronische Bücher gelesen werden können, darunter eigens dafür entwickelte Geräte („E-Reader“), daneben Multimedia-Tablets oder Webpads, die sich über vielfältige andere Nutzungsmöglichkeiten hinaus auch zum Lesen eignen (etwa das iPad), sowie Smartphones über entsprechende Apps. Einen guten Überblick ermöglicht die Frankfurter Buchmesse, die vom 6. bis 10. Oktober stattfindet.

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Vor allem Webpads sind der Renner: Nach Schätzungen des IT-Verbands Bitkom werden 2010 circa 500 000 Tablet-Computer in Deutschland verkauft. 2,9 Millionen Deutsche wollen sich in diesem Jahr ein digitales Buch kaufen. Jeder sechste Schüler und Student bekundet bereits Interesse daran. Gegenüber dem vergangenen Jahr sind das rund 700 000 zusätzliche Käufer – ein Wachstum von 32 Prozent.

Das Interesse an Apps, auch an zahlungspflichtigen, wächst generell, beispielsweise auf dem Zeitungsmarkt, siehe die Angebote vom Springer-Verlag und „Spiegel“. Die Angebote müssen allerdings für den Kunden attraktiv sein und einen Mehrwert bieten, etwa indem zusätzliche audiovisuelle Inhalte („enhanced Books“) eingebunden werden oder durch eine direkte Anbindung an eine Online-Community zur gezielten Vernetzung der Leser.

Neue Bedürfnisse

Nach Auffassung von Bitkom wird das gedruckte Buch mit 99 Prozent am Gesamtumsatz zwar weiterhin für viele die Referenz und das Kerngeschäft bilden, aber die digitalen Ausgaben können neue Bedürfnisse befriedigen, wie die Transportabilität (Vielzahl von Büchern in einem Gerät) und die Verfügbarkeit von Inhalten über die Netzanbindung überall und rund um die Uhr. Der Verband schätzt, dass nach Fachliteratur und Infotainment auch digital publizierte Belletristik für den Leser zunehmend interessant wird. Dies ist nicht zuletzt auf eine steigende Zahl verschiedener Lesegeräte zurückzuführen.

Vor diesem Hintergrund proben Buchmesse und Bitkom den Schulterschluss im Rahmen der digitalen Initiative „Frankfurt Sparks“ (Spark steht für Funke). Die Initiative soll die Verlagswelt, Technologiebranche, Medien und Internetkultur zusammenführen mit dem Ziel, gemeinsame Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Mit dieser Kooperation schaffen wir eine Win-win-Situation für alle Beteiligten“, erklärte Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom. Der Verband bringt dabei sein Technologie-Know-how ein, wohingegen die Buchmesse die Inhalte und ihre Kompetenz für Rechteverkauf, Produktion und Vermarktung beisteuert.

Ein erstes Projekt in diesem Zusammenhang startet während der Buchmesse: An sechs Präsentationsplattformen, den „Hot Spots“, kann man sich über Tablet-PCs und E-Reader, enhanced E-Books und Buch-Apps, Autorenportale, digitales Rechtemanagement, Webshops und elektronische Bibliotheken informieren, denn die Digitalisierung sorgt für eine Vielzahl neuer Formate, Lesegeräte, Produktions- und Vertriebswege. Die Hot Spots sind an zentralen Standorten in fünf verschiedenen Messehallen platziert und jeweils einem bestimmten Thema gewidmet: Literatur und Special Interest, Publishing Services, Informationsmanagement, Bildung, mobiles Internet und Geräte. An jedem der Hot Spots gibt es Ausstellerstände und eine Bühne, die für Präsentationen und Diskussionsrunden genutzt werden können. So werden im „Geräte-Hot-Spot“ etwa verschiedene E-Reader zum Ausprobieren präsentiert. Im Literatur-Hot-Spot stellen sich Autorenportale und Special-Interest-Plattformen vor. Im Hot Spot für Bildung geht es um innovative Technologien zum Lernen und Lehren. Unter anderem wird demonstriert, wie man per Handy Sprachen lernen kann oder mit Whiteboards arbeitet.

Informationen und der Veranstaltungskalender sind abrufbar unter www.buchmesse.de.

Heike E. Krüger-Brand

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