ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1997Europäischer Krebskongreß: Standortbestimmung deutsche Onkologie

SPEKTRUM: Akut

Europäischer Krebskongreß: Standortbestimmung deutsche Onkologie

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die deutsche Krebsforschung kann sich international sehen lassen. In einigen Bereichen ist sie sogar Weltspitze. Das trifft etwa für die pädiatrische Onkologie zu. Hier gibt es seit 1980 - wovon andere Disziplinen träumen - ein umfassendes Krebsregister. Mit über 20 000 Meldungen ist es inzwischen das größte dieser Art auf der Welt. Es ermöglicht nicht nur die Beantwortung brennender epidemiologischer Fragen - etwa, ob es durch die Umweltbelastung zu einer Zunahme von Krebserkrankungen gekommen ist. Es vereinfacht auch die langjährige Nachsorge der Patienten. Spätfolgen, die sich wie Zweittumoren erst nach Jahrzehnten manifestieren, können erfaßt werden und die Erkenntnisse für die Entwicklung zukünftiger Behandlungsstrategien genutzt werden. Auch im Bereich hämatologischer Tumoren des Erwachsenenalters war die Forschung in Deutschland lange Zeit führend.

Sie verdankte dies nicht zuletzt der großzügigen Förderung sogenannter Therapieoptimierungsstudien durch die Bundesregierung seit Anfang der 80er Jahre. Im Gegensatz zu den Medikamentenstudien, welche die Industrie zur Einführung neuer Medikamente durchführen muß, ist das Ziel der Therapieoptimierungsstudien, die Behandlungsergebnisse durch Kombination von Strahlen- und Chemotherapie mit innovativen oder bereits lange verfügbaren Medikamenten zu verbessern. Die Studien hatten wesentlichen Anteil an den Fortschritten der Onkologie. Wie Prof. W. Hiddemann (Universität Göttingen) auf dem europäischen Krebskongreß in Hamburg beklagte, ist der deutsche Beitrag an dieser Forschung gefährdet, seit die Regierung sich aus der Förderung zurückgezogen hat. Bisher sei allerdings die Deutsche Krebshilfe eingesprungen.


Hiddemann forderte jedoch die Kostenträger (unter anderem Krankenkassen) auf, ihre Mitverantwortung in diesem Punkt stärker als bisher zu tragen. Der hohe Standard, den die deutsche Forschung erreicht habe, sei sonst gefährdet. Nach Ansicht von Prof. Dieter Hossfeld (Eppendorf) ist die Durchführung vieler Studien auch durch die zunehmende Abneigung von Pa- tienten gefährdet, an klinischen Versuchen teilzunehmen. Sie forderten statt dessen eine optimale Therapie. Es sei ihnen nur schwer zu vermitteln, daß sie auch als Teilnehmer der Kontrollgruppe die derzeit bestmögliche Behandlung erhalten, denn daß die neue Therapie besser sei, müsse sich ja erst noch zeigen. Hossfeld wies darauf hin, daß die Prognose von Patienten in der Kontrollgruppe einer Studie häufig besser ist als in der Regelversorgung. Dies läge nicht zuletzt daran, daß das Umfeld der Behandlung in einer Studie immer sehr sorgfältig erfolge. Rüdiger Meyer

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote