ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2010Kommentar: Von Monstern und Kraken
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Wenn sich Herr Kollege Helming Gedanken darüber macht, warum niemand mehr Landarzt werden will, kann er sich von einem Nachwuchsarzt über die möglichen Hinderungsgründe informieren lassen:

1. Die KVen sollten nicht alles noch komplizierter machen, als es eh schon ist: ein Zentrum mit Spinnennetz außen herum. Und einem Fahrdienst. Und teuer ist’s. Und der Benefit kommt erst mittelfristig . . . Wenn ein Patient einen Arzt braucht, muss der da sein oder zum Patienten kommen, nicht irgendwo sein und vor allem nicht irgendwann da sein, wenn er halt gerade Termin hat.

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Eine Praxis mit zwei bis drei gleichberechtigten Kollegen der Allgemeinmedizin kann dies leisten.

2. Ein Arzt will keine anonyme Fließbandarbeit machen. Und er will seine Patienten kennen. Und Zeit für seine Patienten haben. Kein Zentrum mit verschiedenen Kollegen, die immer wieder wechseln.

3. Auch ein Arzt braucht Sicherheit. Wenn die KVen Arbeit rund um die Uhr zum mageren Pauschalpreis vergüten und anschließend noch mit fünfstelligen Regresssummen drohen, dann sucht man sich eine Arbeit, bei der man nicht dafür be-straft und in den Konkurs getrieben wird, weil man gute Medizin macht. Ärzte sind keine billigen Lakaien, sondern gehören einem hochqualifizierten Berufsstand an. Dies muss sich monetär abbilden.

Vielleicht sollten sich die KVen auch nicht als Erfüllungsgehilfen der Krankenkassen und des Ge­sund­heits­mi­nis­ters verstehen, sondern als Vertreter der Ärzte . . .

4. Die überbordende Bürokratie – Helmings Vorschlag klingt nach einem weiteren Monster – ist eines der größten Hindernisse im gesamten Beruf. Jetzt kommt auch noch der DRG- und Codierkrake aus den zu bedauernden Kliniken zu uns aufs Land gekrochen. Und Herr Helming fragt sich, warum keiner mehr aufs Land will? . . .

Dr. Ingo Schmidt-Hammer, Praxis Groß &
Schorscher, 96176 Pfarrweisach

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