ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1997Haaranalysen: Patienten werden betrogen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Haaranalysen: Patienten werden betrogen

Worret, Wolf-Ingo

Zu dem Beitrag "Rückschlüsse auf den Stoffwechsel unmöglich" von Prof. Dr. med. Jürgen D. Kruse-Jarres in Heft 34-35/1997:
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LNSLNS Ich bin Prof. Dr. Kruse-Jarres sehr dankbar, daß er dieses Thema aufgreift und in dieser Zeitschrift der gesamten deutschen Ärzteschaft näherbringt. Es werden mit Haaranalysen eine Menge Geld verdient und die Patienten im Grunde um ihr Geld betrogen, da diese Untersuchungen im Einzelfall eigentlich nichts aussagen.
Die Interpretation der Multielemente-Analysen ist deswegen nicht möglich, weil nur extrem wenige Informationen über die Korrelation zwischen "normalen" Haar-Konzentrationen von spezifischen Spurenelementen und den Konzentrationen in anderen Organen, Geweben oder metabolischen Pools vorliegen. Die wenigen Daten, die gesichert sind, sind alle im Tiermodell bestimmt worden und wurden auch nur für die häufigsten Elemente, wie Zink, Kupfer oder ähnliche, erbracht. Und selbst diese Ergebnisse schwanken von Tierart zu Tierart. Weiße Kaninchenhaare enthalten weniger Mangan als schwarze. Der Zinkgehalt von Rattenhaaren korreliert mit dem der Knochen und Testes, aber nicht mit dem des Blutes, der Leber oder der Nieren. Auch weiß man aus Untersuchungen, daß es jahreszeitliche Variationen gibt. Es muß somit nochmals mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß Haaranalysen in der Diagnostik von Stoffwechselstörungen und auch bei Haarkrankheiten bis auf sehr wenige Ausnahmen, zum Beispiel der Trichothiodystrophie, nichts zu suchen haben.
Prof. Dr. med. Wolf-Ingo Worret, Dermatologische Klinik der Technischen Universität München, Biedersteiner Straße 29, 80802 München


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