ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2010Metastasiertes Bronchialkarzinom: Frühe Integration von Palliativtherapie sinnvoll

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes Bronchialkarzinom: Frühe Integration von Palliativtherapie sinnvoll

Dtsch Arztebl 2010; 107(39): A-1860 / B-1632 / C-1608

Gulden, Josef

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Die Palliativmedizin soll nach der Definition der Welt­gesund­heits­organi­sation die Lebensqualität von Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen und deren Familien durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, frühzeitiges Erkennen und sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Belastungen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art verbessern. Wann die palliativmedizinische Behandlung etwa eines metastasierten nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) einzusetzen hat, ist unklar; auch in der eben aktualisierten S3-Leitlinie gibt es dazu keine Angaben (1). Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe hat die Frage in einer Phase-III-Studie untersucht, in der 151 Patienten mit einem neu diagnostizierten metastasierten NSCLC randomisiert wurden und entweder nur eine onkologische Standardbehandlung oder von Anfang an zusätzlich eine integrierte Palliativtherapie erhalten haben (2). Zu Beginn und nach zwölf Wochen wurden Lebensqualität (mit der Functional-Assessment-of-Cancer-Therapy-Lung- Skala [FACT-L]) und Stimmung (mit der Hospital-Anxiety-and-Depression-Skala) bestimmt und darüber hinaus die gegen Lebensende durchgeführten Maßnahmen dokumentiert.

Von den 124 Patienten, die nach zwölf Wochen noch lebten, füllten 107 (86 %) die Fragebogen aus. Der frühe Beginn der Palliativbehandlung verbesserte signifikant die Lebensqualität nach zwölf Wochen (98,0 vs. 91,5 Punkte im FACT-L, p = 0,03). Außerdem litten in dieser Gruppe weniger Patienten an depressiven Symptomen (16 % vs. 38 %, p = 0,01). Obwohl sie gegen Ende des Lebens weniger aggressive medizinische Maßnahmen, wie zum Beispiel Chemotherapien, erhielten (in 33 % vs. 54 % der Fälle, p = 0,05), überlebten die von Beginn an palliativ behandelten Patienten im Median signifikant länger (11,6 vs. 8,9 Monate, p = 0,02). Darüber hinaus waren bei ihnen signifikant häufiger die Wünsche hinsichtlich potenzieller Wiederbelebungsmaßnahmen dokumentiert worden.

Fazit: Die frühe und systematische Integration palliativmedizinischer Maßnahmen in die Versorgung unheilbarer Patienten mit NSCLC fördert offenbar deren Lebensqualität und scheint die Überlebenszeit zu verlängern, obwohl gegen Ende des Lebens weniger aggressiv behandelt wird. Den Autoren zufolge könnten damit unter Umständen sogar Ressourcen eingespart werden, auch wenn diese Frage in der Studie nicht explizit untersucht wurde.

Josef Gulden

  1. Goeckenjan G et al.: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Interdisziplinäre S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft. Pneumologie 2010; 64 (Suppl. 2): e1–e164.
  2. Temel JS et al.: Early palliative care for patients with metastatic non-small-cell lung cancer. N Engl J Med 2010; 363: 733–42.

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