ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2010Hausärzte: Mehr Chaos geht nicht!
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. . . Als Arzt, der sich in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin befindet und in naher Zukunft auf dem Land als Hausarzt tätig sein möchte, habe ich erschreckend zur Kenntnis genommen, wie der „Ärzte-Nachwuchs“ von Funktionären (des Hausarztverbandes . . .) zur Durchsetzung dessen Ziele instrumentalisiert wird. Dies geht so weit, dass behauptet wird, eine Abschaffung beziehungsweise Veränderung der zahlreichen einzelnen Honorierungssysteme der HzV würde dazu führen, dass „es noch schwerer sein würde, junge Ärzte aufs Land und in die Praxis zu kriegen“ (Weil sie dann möglicherweise weniger verdienen würden? In einem unsicheren, undurchschaubaren System?). Hierzu möchte ich Folgendes richtigstellen.

Wer als junger Arzt diesen Artikel liest, dem graut in erster Linie vor dem Durcheinander an Einzel-, Selektiv-, Zusatzverträgen, Einzelklauseln von Gesetzen und dem unsinnigen „Bestandsschutz“ des bereits angerichteten Chaos.

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Als angehender Landarzt möchte ich mich mit den Patienten und der Medizin beschäftigen und nicht mit dem erheblichen Daten-, Verwaltungs- und Abrechnungsaufwand einer komplizierten, uneinheitlichen Vergütung der ärztlichen Tätigkeit. Nach zwölf Monaten meiner Ausbildung in einer Landarztpraxis weiß ich, dass es wichtigere Dinge gibt, als seitenweise Formulare auszufüllen, nämlich die direkte Patientenversorgung, und dafür ist die Zeit manchmal sowieso leider schon knapp, insbesondere auf dem Land.

Es gibt leider verschiedene Hausarztverträge und in Zukunft mögliche Zusatzverträge aller größeren gesetzlichen Kassen, parallel zu der Abrechnung der Patienten, die bei den HzV-Verträgen „nicht eingeschrieben“ sind, durch die Kassenärztliche Vereinigung – mehr Chaos geht nicht!

Für einen jungen Kollegen bedeutet dies nichts anderes als einen erheblichen Zeitaufwand für die Verwaltung, die Notwendigkeit einer zusätzlichen Praxissoftware, um den Überblick zu behalten, welcher Patient wo eingeschrieben ist und welche „Privilegien“ der Patient bei welchem Hausarztvertrag geniest und wie viele Dokumentationsbogen hierfür extra ausgefüllt werden müssen. Statt dieses Verwaltungsaufwands und der Schreibtischtätigkeit des unsinnigen Datensammelns würde ich bei meinem späteren Beruf lieber die Zeit den Patienten und medizinischen Fortbildungen widmen . . .

Dr. med Stefan Jantsch, 94491 Hengersberg

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