ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2010Diabetes Mellitus Typ 2: Intensivtherapie hemmt Progression der Retinopathie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes Mellitus Typ 2: Intensivtherapie hemmt Progression der Retinopathie

Dtsch Arztebl 2010; 107(39): A-1860 / B-1632 / C-1608

Vetter, Christine

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Die ACCORD-Studie (Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes blood pressure trial) hat zunächst enttäuscht: Anders als erwartet, konnte nicht gezeigt werden, dass eine sehr strikte Blutdruckkontrolle die kardiovaskuläre Mortalität bei Diabetikern senkt. Nun warten die Studienleiter mit einem positiven Resultat hinsichtlich der Retinopathie auf. In einer Subgruppenanalyse, der ACCORD-Eye-Studie, konnten sie nachweisen, dass eine intensive glykämische Kontrolle, gepaart mit einer strikten Behandlung der Dyslipidämie, die Progression einer Retinopathie hemmt. Eine strenge Blutdruckkontrolle hatte dagegen auch auf die Retinopathie keinen Einfluss.

In der Studie erhielten 10 251 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die ein hohes kardiovaskuläres Risiko hatten, randomisiert entweder die übliche Standardbehandlung mit einem HbA1c-Zielwert von 7 bis 7,9 % oder eine intensivierte Diabetestherapie mit einem HbA1c-Zielwert unter 6 %. Zur Therapie der Dyslipidämie wurde mit Simvastatin behandelt und in der intensiviert therapierten Studiengruppe zusätzlich mit Fenofibrat. Für den Blutdruck galten Zielwerte von unter 140 respektive unter 120 mmHg.

Bei einer Subgruppe von 2 856 Patienten wurde geprüft, wie sich dieses Management über einen Zeitraum von vier Jahren auf die Progression einer Retinopathie auswirkt. Von einer Progression wurde ausgegangen bei einer Zunahme von mindestens drei Schritten auf der „Early Treatment Diabetic Retinopathie Study Severity Scale“ oder der Notwendigkeit einer Laserphotokoagulation oder Vitrektomie.

Dabei ergaben sich signifikante Unterschiede: Die Progressionsrate betrug in der Gruppe mit intensivierter glykämischer Kontrolle 7,3 % gegenüber 10,4 % unter der Standardtherapie (korrigierte Odds Ratio [OR]: 0,67; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,51–0,87, p = 0,003). In der Gruppe mit der Kombinationstherapie gegen die Dyslipidämie lag die Progressionsrate bei 6,5 % gegenüber 10,2 % bei alleiniger Simvasatin-Gabe (korrigierte OR: 0,60; 95%-KI: 0,42–0,87, p = 0,006). Keinen Unterschied erbrachte auch in dieser Subgruppenanalyse die strenge Blutdruckkontrolle mit einer Progressionsrate von 10,4 % in der intensiviert behandelten Gruppe und 8,8 % unter der Standardtherapie (korrigierte OR: 1,23; 95%-KI: 0,84–1,79, p = 0,29).

Fazit: „Die Daten bestätigen, dass es für die Entwicklung der mikrovaskulären Komplikationen wichtig ist, den HbA1c gut einzustellen. Da beim Blutdruck auch die Kontrollgruppe eine gute Einstellung aufwies, bedeutet das Ergebnis allerdings nicht, dass man den Blutdruck vernachlässigen sollte“, erläuterte Prof. Dr. med. Stephan Martin aus Düsseldorf, Direktor am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (Sana-Kliniken, Düsseldorf).

Christine Vetter

The ACCORD Study Group ACCORD Eye Study Group: Effects of medical therapies on retinopathy progression in type 2 diabetes, NEJM 363; 2010: 233–44.

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