ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2010Zusatz-Weiterbildung Sportmedizin: Reisekosten sind teilweise steuerlich absetzbar

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Zusatz-Weiterbildung Sportmedizin: Reisekosten sind teilweise steuerlich absetzbar

Dtsch Arztebl 2010; 107(39): [95]

Iser, Christoph

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Der Abzug von Werbungskosten – hier für einen Aufenthalt am Gardasee – darf Steuerpflichtigen nicht mit der Begründung versagt werden, ihr Beruf erfordere Aufwendungen, die für andere Steuerpflichtige Privataufwendungen seien.

Zur steuerlichen Berücksichtigung von Werbungskosten gab es in jüngster Zeit einige Entscheidungen, von denen die Steuerzahler profitieren. Eine davon ist für den Arzt besonders hervorzuheben, betrifft sie doch die Kosten für die Zusatz-Weiterbildung Sportmediziner und ist zudem eine Abkehr von der bisherigen profiskalischen Rechtsprechung.

Im April hatten die obersten deutschen Finanzrichter (Aktenzeichen: VI R 66/04) über die steuerliche Absetzbarkeit von Reisekosten eines angehenden Sportmediziners zu entscheiden. Dieser nahm eine Woche lang am Gardasee an einer Weiterbildung zum Sportmediziner teil. Sein Klinikarbeitgeber hatte ihn für die Weiterbildung freigestellt. Morgens und abends wurde die theoretische Weiterbildung durchgeführt. In der Zwischenzeit standen verschiedene Sportarten (Surfen, Segeln, Tennis, Radfahren et cetera) auf dem Programm. Alles in allem umfassten der praktische und der theoretische Teil jeweils 25 Stunden.

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Entsprechend der bisher restriktiven Rechtsprechung zu solchen Fällen, beurteilte das Finanzamt die aufgewendeten Reisekosten für die Weiterbildungsmaßnahme als steuerlich nicht abzugsfähig. Die Tatsache, dass es sich dabei um von der Ärztekammer anerkannte Kurse handelte, war für die Finanzbeamten unbedeutend.

Anders sah es jedoch das erstinstanzlich angerufene Finanzgericht. Insbesondere weil die Weiterbildung kaum Freiraum für private Aktivitäten zulasse, sei es ungerecht, ein generelles Abzugsverbot nur aufgrund der sportlichen Pflichtaktivitäten greifen zu lassen. Auch die obersten Finanzrichter des Bundesfinanzhofs kamen zu diesem Schluss. Der Entscheidung der Erstinstanzler folgend, berücksichtige auch der Bundesfinanzhof die Reisekosten zur Hälfte, also zumindest so weit, wie sie auf die theoretische Weiterbildung entfielen.

Deutlich führten die Richter des Bundesfinanzhofs dabei in ihrer Urteilsbegründung aus, dass es egal sei, ob der hälftigen Aufteilung aufgrund der praktischen und theoretischen Weiterbildungszeit in vergleichbaren Fällen uneingeschränkt gefolgt werden könne. Dagegen könnte sprechen, dass Steuerpflichtigen der Abzug von Werbungskosten nicht mit der Begründung versagt werden dürfe, ihr Beruf erfordere Aufwendungen, die für andere Steuerpflichtige Privataufwendungen seien. Mit anderen Worten: Der Senat sah sich im vorliegenden Fall aufgrund der individuellen Fallkonstellation und verfahrensrechtlicher Gegebenheiten nicht in der Lage, alle Aufwendungen zum steuermindernden Abzug zuzulassen. Auf der anderen Seite lässt er jedoch durchblicken, dass eine vollständige, steuermindernde Berücksichtigung in vergleichbaren Sachverhalten sehr wohl möglich ist.

Für betroffene Sportmediziner gilt daher: Alle Reise- und Weiterbildungskosten sollten belegmäßig detailliert nachgewiesen werden können. Ebenso empfiehlt es sich, den Tagesablauf zu dokumentieren, um darlegen zu können, dass die gesamte Weiterbildung beruflich initiiert ist. Weiterhin ist darzulegen, dass es sich um eine anerkannte Weiterbildungsmaßnahme handelt. Allein die Tatsache, dass die Zusatz-Weiterbildung sich mit Tätigkeiten beschäftigt, die andere Steuerpflichtige freiwillig in ihrer Freizeit angehen, rechtfertigt jedenfalls nicht ein steuerliches Abzugsverbot. Die Chancen, künftig mehr Reisekosten absetzen zu können, sind daher deutlich gestiegen.

Christoph Iser, Steuerberater
E-Mail: Stb.Iser@Steuerempfehlung.de

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