Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In Ergänzung zu den bereits dargestellten Ursachen von „Gangstörungen im Alter“ möchte ich noch auf eine weitere bislang kaum beachtete, aber klinisch sehr relevante Ursache von Gangstörungen aufmerksam machen. Patienten mit einer milden chronischen Hyponatriämie stürzen deutlich häufiger als Patienten mit normalen Serum-Natrium-Konzentrationen. Die Hyponatriämie beeinflusst das Gangbild stärker als ein Blutalkoholspiegel von 0,6 g/L. Die Gangstörungen sind nach Ausgleich der Hyponatriämie reversibel (1). Die Hyponatriämie ist zudem bei älteren Patienten mit Frakturen assoziiert (2). So ist die Häufigkeit einer Hyponatriämie bei Patienten mit Frakturen doppelt so hoch wie bei Patienten, die ohne Fraktur zur Aufnahme kamen.

Als ursächlich für die Gangstörungen kann die „hyponatriämische Enzephalopathie“ angesehen werden, welche möglicherweise Folge einer Abnahme wichtiger funktionaler intrazellulärer Osmolyte im Hirn, wie Glutamat und Glutamin, im Rahmen der Volumenadaptation des Gehirns ist (3). Des Weiteren gibt es auch Hinweise auf eine reversible Abnahme der peripheren Nervenleitgeschwindigkeit bei Hyponatriämie.

Eine Hyponatriämie besteht nach einer größeren Studie bei 14,5 Prozent der Patienten bei Aufnahme in einem Krankenhaus (4). Nicht selten ist sie auf die Einnahme bestimmter Medikamente zurückführbar. Besonders häufig entsteht eine Hyponatriämie unter Therapie mit Hydrochlorothiazid (HCT) und nach Einnahme von zentralnervös wirkenden Medikamenten (Antidepressiva) sowie unter Carbamazepin.

Die Zahl der Kranken­haus­auf­enthalte durch Stürze könnte vermutlich vermindert werden, wenn unsere Aufmerksamkeit für die Hyponatriämie zunähme und adäquat reagiert würde. Hierzu liegen diagnostische und therapeutische Algorithmen vor.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0709a

Prof. Dr. med. Johannes Hensen

Medizinische Klinik

Klinikum Hannover

Haltenhoffstraße 41

30167 Hannover

E-Mail: johannes.hensen@krh.eu

Interessenkonflikt

Der Autor hat in den letzten Jahren Honorare von Otsuka und anderen Firmen für wissenschaftliche Studien, Vorträge und Beratungstätigkeiten zu ADH-(Vasopressin)-Rezeptor-Antagonisten, die zur Behandlung der Hyponatriämie bei SIADH eingesetzt werden, erhalten.

1.
Renneboog B, Musch W, Vandemergel X, Manto MU, Decaux G: Mild chronic hyponatremia is associated with falls, unsteadiness, and attention deficits. Am J Med 2006; 119(1): 71.e1–8. MEDLINE
2.
Ayus JC, Moritz ML: Bone disease as a new complication of hyponatremia: moving beyond brain injury. Clin J Am Soc Nephrol 2010; 5(2): 167–8. MEDLINE
3.
Verbalis JG, Gullans SR: Hyponatremia causes large sustained reductions in brain content of multiple organic osmolytes in rats. Brain Res 1991; 567(2): 274–82. MEDLINE
4.
Waikar SS, Mount DB, Curhan GC: Mortality after hospitalization with mild, moderate, and severe hyponatremia. Am J Med 2009; 122(9): 857–65. MEDLINE
5.
Jahn K, Zwergal A, Schniepp R: Gait disturbances in old age—classification, diagnosis, and treatment from a neurological perspective [Gangstörungen im Alter – Klassifikation, Diagnostik und Therapie aus neurologischer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(17): 306–16. VOLLTEXT
1.Renneboog B, Musch W, Vandemergel X, Manto MU, Decaux G: Mild chronic hyponatremia is associated with falls, unsteadiness, and attention deficits. Am J Med 2006; 119(1): 71.e1–8. MEDLINE
2.Ayus JC, Moritz ML: Bone disease as a new complication of hyponatremia: moving beyond brain injury. Clin J Am Soc Nephrol 2010; 5(2): 167–8. MEDLINE
3.Verbalis JG, Gullans SR: Hyponatremia causes large sustained reductions in brain content of multiple organic osmolytes in rats. Brain Res 1991; 567(2): 274–82. MEDLINE
4.Waikar SS, Mount DB, Curhan GC: Mortality after hospitalization with mild, moderate, and severe hyponatremia. Am J Med 2009; 122(9): 857–65. MEDLINE
5.Jahn K, Zwergal A, Schniepp R: Gait disturbances in old age—classification, diagnosis, and treatment from a neurological perspective [Gangstörungen im Alter – Klassifikation, Diagnostik und Therapie aus neurologischer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(17): 306–16. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema