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Als Augenärztin mit dem Schwerpunkt Neuroophthalmologie begrüße ich in Ihrem wunderbar systematischen Artikel über Gangstörungen besonders den Hinweis auf die oft verkannte bilaterale Vestibulopathie. Diese Patienten stellen sich nämlich nicht selten primär beim Augenarzt vor, weil sie die begleitende Oszillopsie als Erkrankung der Augen deuten. Wichtig ist dann die Untersuchung der verschiedenen Blickrichtungen, um den im Geradeausblick oft diskreten Nystagmus nicht zu übersehen.

In Ihrer Tabelle 3 listen die Autoren häufige Gangstörungen und ihre Ursachen auf und erwähnen unter „sensorische Defizite“ leider nur die „Visusminderung“. Der Visus, definiert als Punktauflösungsvermögen der Netzhautmitte, leidet bei betagten Menschen am häufigsten durch die altersabhängige Makuladegeneration. Sie ist bei erhaltenem Gesichtsfeld aber erfahrungsgemäß nur selten das entscheidende Kriterium für Gangunsicherheit. Die partielle visuelle Rehabilitation durch die Anpassung vergrößernder Sehhilfen (Beispiel unter „Therapieoptionen“) ist zudem wegen der deutlichen Verkleinerung des Sehausschnittes und der Veränderung des empfundenen Sehobjekt-Abstandes nur überwiegend für den Nahbereich wertvoll und kann leider die Raumorientierung und somit eine Gangunsicherheit nicht verbessern.

Der Begriff „Sehfunktionsminderung“ wäre in Tabelle 3 passender gewesen, um die typischerweise zu Orientierungsschwierigkeiten führenden Situationen bei Senioren zu erfassen: Vorrangig beidseitige Gesichtsfeldausfälle (übrigens durch einen Neurologen nicht immer zu perimetrieren!) wegen chronischen Glaukoms, beidseitiger ischämischer Optikusneuropathie und retinaler Durchblutungsstörungen. Weiterhin Lokalisationsstörungen bei Augenmuskelparesen des dominanten Auges. Ebenso Doppelbildempfindung und Stereosehverlust aus diversen Gründen, beispielsweise auch bei Krankheitsbildgern mit intakter Okulomotorik wie dekompensierte Phorien, Suppressionsverlust bei frühkindlichem Schielen und involutive Divergenzparesen. Diese Störungen diagnostiziert und therapiert am ehesten der Augenarzt, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit einer Orthoptistin.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0709b

Dr. med. Birte Neppert

Augenklinik des Universitätsklinikums Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

E-Mail: bneppert@uni-luebeck.de

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Jahn K, Zwergal A, Schniepp R: Gait disturbances in old age—classification, diagnosis, and treatment from a neurological perspective [Gangstörungen im Alter – Klassifikation, Diagnostik und Therapie aus neurologischer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(17): 306–16. VOLLTEXT
1.Jahn K, Zwergal A, Schniepp R: Gait disturbances in old age—classification, diagnosis, and treatment from a neurological perspective [Gangstörungen im Alter – Klassifikation, Diagnostik und Therapie aus neurologischer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(17): 306–16. VOLLTEXT

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