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Beide Zuschriften zeigen, wie wichtig der interdisziplinäre Ansatz bei der Behandlung von Patienten mit den Leitsymptomen Gangstörung und Schwindel ist. Dies gilt in besonderer Weise für ältere Patienten.

Herr Prof. Hensen weist auf die Bedeutung der Hyponatriämie als Ursache für Gangunsicherheit und Stürze im Alter hin. Die Hyponatriämie ist eine häufige metabolische Ursache für Aufmerksamkeits- und Vigilanzstörungen. Sie begünstigt das Auftreten epileptischer Anfälle. Interessant ist der Zusammenhang einer milden chronischen Hyponatriämie mit Stürzen. Milde Hyponatriämien (> 125 mmol/L) werden oft toleriert, wenn sie zum Beispiel als Nebenwirkung einer Carbamazepin-Behandlung bestehen und keine offensichtlichen Beschwerden machen. Bei einem Patienten mit dieser Konstellation können dann sowohl die metabolische Enzephalopathie (Hyponatriämie), die potenziell Schwindel verursachende Medikation (Carbamazepin) und die insuffizient behandelten epileptischen Anfälle Gründe für Stürze sein. Anamnese (Dauerbeschwerden vs. Attacken) und Untersuchungsbefund (Okulomotorikstörung, Ataxie) helfen bei der Differenzierung. Die Literatur unterstützt die konsequente Diagnostik und Therapie metabolischer Störungen bei Patienten mit Gangstörungen.

Frau Dr. Neppert bin ich für die Präzisierung möglicher ophthalmologischer Ursachen einer Gangunsicherheit im Alter dankbar. Ich weise darauf hin, dass die bilaterale Vestibulopathie in Ruhe keine Beschwerden macht und sich nur bei Inanspruchnahme des vestibulären Systems beim Gehen und bei Kopfbewegungen äußert (1). Im Rahmen des augenärztlichen und orthoptistischen Befundes kann die Erkrankung durch den Kopfimpulstest und im VOR-Lesetest (Unscharfsehen bei Kopfbewegungen) festgestellt werden (2).

Es sei abschließend darauf hingewiesen, dass in München gegenwärtig mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ein sogenanntes „Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum“ (IFB) zum Themenbereich Schwindel, Okulomotorikstörung und Gangstörungen aufgebaut wird (3). In dem neuen Zentrum werden klinische Forscher, Grundlagenforscher und Ärzte verschiedener Fachgebiete (unter anderem: Augenärzte, Neurologen, HNO-Ärzte, Psychosomatiker, Internisten, Kinderärzte) zusammenarbeiten (http://www.klinikum.uni-muenchen.de/IFB-Schwindel/de/index.html). Damit soll dem allgemein erkannten Problem entgegengetreten werden, dass die traditionellen Fächergrenzen – zumindest für Leitsymptome wie Gangstörung oder Schwindel – der optimalen Versorgung der Patienten entgegenstehen. Die Patienten fallen zu oft zwischen die Stühle der traditionellen Fachrichtungen. Die Forschung zu Diagnostik und Therapie von Schwindel und Gangstörungen erfordert die Zusammenarbeit der Disziplinen.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0710

PD Dr. med. Klaus Jahn

Klinikum der Universität München

Standort Großhadern

Marchioninistraße 15

81377 München

E-Mail: klaus.jahn@med.uni-muenchen.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Zingler VC, Cnyrim C, Jahn K, et al.: Causative factors and epidemiology of bilateral vestibulopathy in 255 patients. Ann Neurol 2007; 61: 524–32. MEDLINE
2.
Halmagyi GM, Curthoys IS: A clinical sign of canal paresis. Arch Neurol 1988; 45: 737–9. MEDLINE
3.
Brandt T, Zwergal A, Jahn K, Strupp M: Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum für Schwindel, Gleichgewichts- und Okulomotorikstörungen. Nervenarzt 2009; 80: 875–86. MEDLINE
4.
Jahn K, Zwergal A, Schniepp R: Gait disturbances in old age—classification, diagnosis, and treatment from a neurological perspective [Gangstörungen im Alter – Klassifikation, Diagnostik und Therapie aus neurologischer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(17): 306–16. VOLLTEXT
1.Zingler VC, Cnyrim C, Jahn K, et al.: Causative factors and epidemiology of bilateral vestibulopathy in 255 patients. Ann Neurol 2007; 61: 524–32. MEDLINE
2.Halmagyi GM, Curthoys IS: A clinical sign of canal paresis. Arch Neurol 1988; 45: 737–9. MEDLINE
3.Brandt T, Zwergal A, Jahn K, Strupp M: Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum für Schwindel, Gleichgewichts- und Okulomotorikstörungen. Nervenarzt 2009; 80: 875–86. MEDLINE
4.Jahn K, Zwergal A, Schniepp R: Gait disturbances in old age—classification, diagnosis, and treatment from a neurological perspective [Gangstörungen im Alter – Klassifikation, Diagnostik und Therapie aus neurologischer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(17): 306–16. VOLLTEXT

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