ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2010Randnotiz: Die Teilzeitfalle

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Randnotiz: Die Teilzeitfalle

Dtsch Arztebl 2010; 107(40): A-1885 / B-1657 / C-1629

Hibbeler, Birgit

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Eigentlich ist 17 Uhr ein guter Zeitpunkt, um die Klinik zu verlassen und in den Feierabend zu gehen. Trotzdem ist sie schon wieder viel zu spät dran. Längst hätte sie den kleinen Lennard von der Tagesmutter abholen müssen. Und so schwingt sie sich schnell auf das Fahrrad mit dem blauen Kindersitz und strampelt los. 17 Uhr wäre eine gute Zeit – aber eben nicht, wenn man eine 75-Prozent-Stelle hat.

Zurzeit ist sie allein auf der Station, die Kollegin ist im Urlaub. Jemanden, der einspringen könnte, gibt es nicht. Deshalb lautet ihr Tagesziel: Schadensbegrenzung. Die Stapel auf ihrem Schreibtisch sollen zumindest nicht höher werden. Wenn sie geht, will sie kein völliges Chaos hinterlassen. Doch genau dieses Pflichtbewusstsein verursacht Überstunden – und zwar fast täglich, auch wenn die Kollegin da ist. In diese Falle ist sie im Übrigen in ihrem Berufsleben von Anfang an getappt. Gestern lag eine Tafel Schokolade auf ihrer Computertastatur – von der Pflege. „Mach mal ’ne Pause!“ stand auf dem Zettel. Aber wann denn?

„Hat mein Chef vielleicht vergessen, dass ich gar nicht Vollzeit arbeite?“ – das hat sie schon öfters gedacht. Zuletzt, als er ihr auch noch ein Referat aufs Auge drückte. Beim Vorstellungsgespräch hieß es: Alles kein Problem. Selbstverständlich sei eine Anstellung in Teilzeit möglich. Familienfreundlichkeit sei ja schließlich heutzutage völlig normal.

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Verlässt ein Arzt um 17 Uhr die Klinik, dann kann es gut sein, dass ihm ein Kollege scherzhaft hinterherruft: „Na, freier Nachmittag oder wie?“ Der Angesprochene kontert dann vielleicht: „Nein, Teilzeitstelle.“ Früher fand sie solche Witze mal lustig. Heute kann sie darüber nicht mehr so recht lachen.

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