ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2010USA: Gefährliche Entwicklung
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Der Kommentar zur kommerzialisierten Medizin „Erfahrung in Übersee“ weist auf eine gefährliche Entwicklung in der Medizin hin, die zum Teil schon, von Amerika nach Deutschland übernommen, hier in Anfängen praktiziert wird.

Jeder Berufstätige will selbstverständlich durch den Lohn seiner Arbeit leben können. Die Privatisierung der Kliniken hat jedoch dazu geführt, dass der „Shareholder-Value“ über die Interessen von Patienten und Beschäftigten gesetzt wird. Die Reglementierung und Bürokratisierung im Gesundheitswesen erledigen noch den Rest. So werden Kosten verursacht, die überflüssig sind und dann ebenfalls auf den Rücken von Patienten und Beschäftigten (bzw. „Leistungserbringern“) geladen werden. Die Einrichtung von Mindestfallzahlen für Eingriffe führt (als weiteres Beispiel) vielleicht zu einer Konzentration von Leistungen, auf alle Fälle aber auch zu einer Ausweitung der Indikationsstellung und Durchführung von Eingriffen, die sonst vielleicht nicht immer erfolgen würden . . .

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So erhalten in Amerika Privatversicherte zum Beispiel häufiger eine Herzkatheteruntersuchung als andere. In Deutschland ist dies mehr bei diagnostischen Leistungen bekannt, deren Indikationsstellung dann sehr weit gefasst wird. Es ist aber auch verständlich, dass Lücken in Gesetz und Verordnungen häufiger gesucht werden, wenn die Vergütung von Leistungserbringern so weit reduziert wird, dass sie nicht mehr eine angemessene Höhe aufweist. Die Politik sucht hier immer noch nach der Möglichkeit, den Kreis mit gleicher Fläche quadratisch zu machen. Dies geht jedoch nicht, ohne etwas wegzuschneiden und die Fläche zu verkleinern. Ich hoffe, dass die „Amerikanisierung“ unserer Gesellschaft und auch unseres Gesundheitssystems etwas langsamer voranschreitet. Damit könnten uns die beschriebenen Verhältnisse noch länger erspart bleiben . . .

Dr. Wolfgang Häring, 84030 Ergolding

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