ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1997Psychotherapie: Zweiklassenmedizin?

SPEKTRUM: Leserbriefe

Psychotherapie: Zweiklassenmedizin?

Heydwolff, Andreas von

Zur geplanten Eigenbeteiligung bei Psychotherapien:
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LNSLNS CDU/CSU und F.D.P. wollen bei psychotherapeutischen Behandlungen künftig "die Eigenverantwortung der Patienten stärken und die Krankenkassen im Rahmen der Neugestaltung des Angebots auf diesem Sektor finanziell entlasten". Dazu sollen die Versicherten, die oft Jahre brauchen, um Mut zu einer Therapie zu fassen, "im Regelfall 25 Prozent" zuzahlen (in Bayern derzeit 36,25 DM), bei "besonders schweren Krankheitsbildern zehn Prozent".
Dies könne die Krankenkassen um etwa 100 Millionen DM entlasten (aus "woche im bundestag" vom 1. Juli 1997). Wird so die Zweiklassenmedizin auch für Kranke in der GKV eingeführt? Ist das ein Versuchsballon für die Zuzahlung in anderen Bereichen der Medizin? Ich weiß, daß unter diesen Bedingungen viele ärmere Patienten eine klar indizierte Psychotherapie nicht mehr beginnen werden. Ist das bei den 100 Millionen scheinbarer Ersparnis schon einkalkuliert? Härtefallregelungen bringen wenig, da, so die Erfahrung in Österreich, Scham und Unsicherheit meist die Antragstellung verhindern. Die Folgekosten allerdings (Arbeitsunfähigkeit, Psychopharmaka, Suizide, Weitergabe von Beziehungsstörungen an die nächste Generation) tragen wir alle. Was denken Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Disziplinen darüber?
Dr. med. Andreas von Heydwolff, Poststraße 13, 83421 Bad Reichenhall
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