ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2010Chronisches Nierenversagen – Gilt für die Dialyse: Je früher, desto besser?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronisches Nierenversagen – Gilt für die Dialyse: Je früher, desto besser?

Dtsch Arztebl 2010; 107(40): A-1926 / B-1688 / C-1660

Heinzl, Susanne

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Weltweit gibt es den Trend, Patienten mit fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankungen immer früher zu dialysieren. Verschiedenen Beobachtungs- und Fall­kontroll­studien ergaben jedoch, dass ein früher Dialysebeginn eher nachteilig war. Deshalb wurde in der IDEAL-Studie (Initiating Dialysis Early and Late) prospektiv untersucht, wie sich ein früher Dialysebeginn bei chronischen Nierenerkrankungen (Stadium V) auf die Gesamtsterblichkeit auswirkt.

In die australisch-neuseeländische Studie wurden zwischen Juli 2000 und November 2008 insgesamt 828 erwachsene Patienten (mittleres Alter: 60,4 Jahre, 542 Männer, 286 Frauen, 355 Patienten mit Diabetes mellitus) mit einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) zwischen 10,0 und 15,0 ml/min/1,73 m² aufgenommen. Sie wurden in Gruppen mit früher (n = 404) oder später Dialyse (n = 424) randomisiert. In der frühen Gruppe begann die Dialyse bei einer GFR zwischen 10 und 14 ml/min/1,73 m² im Median nach 1,8 Monaten, in der späten Gruppe bei einer GFR zwischen 5,0 und 7,0 ml/min1,73 m² oder bei Urämiesymptomen im Median nach 7,4 Monaten. Die Nachbeobachtungszeit betrug durchschnittlich 3,6 Jahre. Primärer Endpunkt war die Gesamtsterblichkeit, sekundäre Endpunkte umfassten kardiovaskuläre Ereignisse, Infektionen sowie Dialysekomplikationen.

Ein früher Beginn der Dialyse verbesserte das Gesamtüberleben der Patienten nicht (Grafik): In der frühen Gruppe starben 152 Patienten (37,6 %), in der späten 155 Patienten (36,6 %). Dies bedeutet eine Hazard Ratio bei frühem Dialysebeginn von 1,04 (95%-Konfidenzintervall 0,83–1,30, p = 0,75). Auch in den sekundären Endpunkten und in der Lebensqualität gab es keine signifikanten Unterschiede. Im begleitenden Editorial wird darauf hingewiesen, dass die Dialyse in der späten Gruppe häufig aufgrund von Urämiesymptomen begonnen wurde, im Mittel bei einer GFR von 9,8 ml/min/1,73 m². Bei sorgfältiger Überwachung sind vermutlich klinische Symptome wichtiger für die Entscheidung zur Dialyse als ein GFR-Wert.

Fazit: Die Ergebnisse dieser randomisierten Studie zeigen, dass bei sorgfältiger klinischer Betreuung mit dem Beginn einer Dialyse ohne Schaden für den Patienten so lange gewartet werden kann, bis Symptome einer Urämie auftreten oder die GFR unter 7,0 ml/min/1,73 m² fällt. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Cooper BA et al.: A randomized, controlled trial of early versus late initiation of dialysis. NEJM 2010; 363: 609–19.
  2. Lameire N et al.: The initiation of renal-replacement therapy — just-in-time delivery. NEJM 2010; 363: 678–9.

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