ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2010Schizophrenie: Kognitive Rehaprogramme zur Neuroprotektion

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schizophrenie: Kognitive Rehaprogramme zur Neuroprotektion

Dtsch Arztebl 2010; 107(40): A-1926 / B-1688 / C-1660

Gulden, Josef

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Kognitive Defizite bei Patienten mit Schizophrenie erschweren die funktionelle Erholung und sind mit strukturellen Defekten in frontotemporalen, medial-temporalen und medial-frontalen Netzwerken assoziiert. Diese kognitiven Beeinträchtigungen sprechen schlecht auf Pharmakotherapien an, aber Psychiater an der University of Pittsburgh, USA, haben mit einem psychosozialen kognitiven Rehabilitationsprogramm (Cognitive Enhancement Therapy, CET) starke und lang andauernde kognitive und funktionelle Verbesserungen erzielt. So zeigten Patienten in einem frühen Stadium der Erkrankung nach zwei Jahren Behandlung mit CET (zusätzlich zur Gabe von Antipsychotika) im Vergleich zur Kontrolltherapie erhebliche Verbesserungen in der sozialen und nicht-sozialen Kognition, die sich signifikant günstig auf Beschäftigung, soziale Funktion, Rollenanpassung und Alltagsaktivitäten auswirkten. Jährliche Kernspintomogramme der Gehirne aller Patienten, die im Mittel 26 ± 7 Jahre alt waren, wurden morphometrisch ausgewertet. Dabei zeigte sich für die mit CET behandelten Patienten im Vergleich zu den Patienten aus der Kontrollgruppe eine signifikant bessere Volumenerhaltung der grauen Substanz im linksseitigen Hippocampus, Gyrus parahippocampalis und Gyrus fusiformis sowie eine signifikant stärkere Volumenzunahme in der linken Amygdala (jeweils p < 0,04). Diese Parameter mit Ausnahme der Hippocampus-Konservierung korrelierten signifikant mit der Verbesserung der Kognition.

Fazit: Die Studie belege zum einen, erklärte Prof. Dr. med. Dieter Naber, Hamburg, dass die Ziele in der Behandlung schizophrener Patienten anspruchsvoller geworden seien: Nicht nur eine Symptomreduktion, sondern auch Verbesserungen der Lebensqualität und des „functional outcome“ könnten mit einer Kombination aus Antipsychotika und psychosozialer Therapie erreicht werden. Zum anderen, betonte Naber, zeige sich hier die vor kurzem noch kaum vorstellbare Plastizität des Gehirns selbst bei Menschen im Alter von deutlich über 20 Jahren. Die für solche Resultate notwendige optimale Therapie werde derzeit leider auch in Deutschland nur wenigen Patienten angeboten, „obwohl informierte Psychiater schon lange wissen, dass eine Kombination von Antipsychotika und psychosozialer Therapie die besten Ergebnisse bringt. Antipsychotika allein sind nur begrenzt wirksam, noch weniger wirksam ist eine psycho-soziale Therapie ohne Antipsychotika“. Josef Gulden

Eack SM et al.: Neuroprotective effects of cognitive enhancement therapy against gray matter loss in early schizophrenia. Arch Gen Psychiatry 2010; 67: 674–82.

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