ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2010Therapie des Diabetes mellitus Typ 2: DPP-Hemmer auch für Nierenkranke

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Therapie des Diabetes mellitus Typ 2: DPP-Hemmer auch für Nierenkranke

Dtsch Arztebl 2010; 107(40): A-1939

Reisdorf, Simone

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Der hochselektive DPP-4-Inhibitor Linagliptin wird über Galle und Fäzes eliminiert, nicht aber über den Urin. Dies begünstigt seine Anwendung bei Diabetikern mit eingeschränkter Nierenfunktion. Die Erkrankungen sind häufig miteinander assoziiert.

Neue Antidiabetika wie Linagliptin, ein Dipeptidyl-Peptidase(DPP)-4-Hemmer, der auch bei nierengeschädigten Patienten ohne Dosisanpassung einsetzbar ist, sind ein Beitrag zur individuellen Therapie des Diabetikers. „Jeder achte bis zehnte Bürger in Deutschland ist zuckerkrank“, konstatierte Dr. med. Ludwig Merker (Dormagen) „Und acht Prozent der Deutschen leiden an einem chronischen Nierenschaden.“ Nicht immer, aber doch sehr oft, sei beides kausal assoziiert. „Nach Zahlen aus dem QuaSi-Niere-Report 2006 war die Ursache für eine Dialysepflichtigkeit bei 32 Prozent der Patienten ein Typ-2- und bei zwei Prozent ein Typ-1-Diabetes“, sagte Merker.

Um mikrovaskuläre Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist eine frühe Diabetestherapie notwendig, zur Verhinderung makrovaskulärer Folgeerkrankungen eine konsequente und gut verträgliche, so Merker: „Unverzichtbar ist es, trotz der hohen Fallzahlen jeden einzelnen Typ-2-Diabetiker individuell zu behandeln.“ Eine zusätzliche Option für den Baukasten der individuellen Diabetestherapie wird der neue Dipeptidyl-Peptidase(DPP-)4-Hemmer Linagliptin, der derzeit in mehreren Phase-III-Studien allein oder als Fixkombination (mit Metformin oder Pioglitazon) getestet wird.

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Dr. Ludwig Mehlburger, Medical Advisor Diabetes bei Boehringer Ingelheim, erinnerte an die Daten einer Phase-II-b-Studie: In der Dosisfindungsstudie erhielten 262 Typ-2-Diabetiker, die mit Metformin unzureichend eingestellt waren (HbA1c 8,2 bis 8,5 Prozent), zusätzlich zwölf Wochen lang entweder 1, 5 oder 10 mg Linagliptin täglich oder Placebo. „Mit allen Linagliptindosen wurde der Langzeitblutzuckerwert im Vergleich zu Placebo signifikant gesenkt“, berichtete Mehlburger, „am deutlichsten war dieser Effekt in der 5-Milligramm-Gruppe, hier verringerte sich der HbA1c um etwa 0,7 Prozentpunkte.“

Er betonte die hohe Selektivität des Wirkstoffs für DPP-4 im Vergleich zu anderen Dipeptidylpeptidasen: „Linagliptin bindet an DPP-4 zehntausendmal stärker als an DPP-8 oder DPP-9, es hat deshalb eine hohe therapeutische Breite und ist gut verträglich.“ So habe sich in den vorliegenden Studien keine Kardiotoxizität gezeigt, und es habe weder Hypoglykämien noch Gewichtszunahme bei Linaglitpintherapie gegeben.

„Ein besonderes Merkmal von Linagliptin ist, dass es nicht metabolisiert und nicht über die Niere ausgeschieden wird“, ergänzte der Ernährungswissenschaftler, „es bindet an DPP-4 und wird mit diesem über Galle und Fäzes eliminiert. Im Harn gab es von keiner getesteten Linagliptindosis mehr als sieben Prozent.“ Deshalb werde auch für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion keine Dosisanpassung empfohlen. „Die Wirkdauer von mindestens 24 Stunden macht den Effekt unabhängig vom Einnahmezeitpunkt“, betonte er, „die Patienten können nach Linagliptin morgens oder abends, vor oder nach dem Essen schlucken, je nach ihren individuellen Anforderungen.“

Simone Reisdorf

Pressegespräch „Was tut sich in der Forschung? Typ-2-Diabetes benötigt neue Antworten!“ im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft in Stuttgart; Veranstalter: Boehringer Ingelheim

1.
Uhlig-Laske et al.: Diabetes 58, Suppl.1, 2009, Abst. 595-P.
2.
Hüttner et al.: J Clin Pharmacol 2008; 48(10): 1171–8. MEDLINE
3.
Heise et al.: Diabetes Obes Metab 2009; 11(8): 786–94. MEDLINE
1.Uhlig-Laske et al.: Diabetes 58, Suppl.1, 2009, Abst. 595-P.
2.Hüttner et al.: J Clin Pharmacol 2008; 48(10): 1171–8. MEDLINE
3.Heise et al.: Diabetes Obes Metab 2009; 11(8): 786–94. MEDLINE

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