ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2010Börsebius: Paradiesische Zinsen

GELDANLAGE

Börsebius: Paradiesische Zinsen

Dtsch Arztebl 2010; 107(40): A-1943 / B-1699 / C-1671

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Zeiten wie nie erleben Immobilienbesitzer und die, die es noch werden wollen. Sei es, dass eine bestehende Finanzierung zu verlängern ist oder der Traum von den eigenen vier Wänden endlich Realität werden soll, die aktuellen Zinskonditionen sind einfach paradiesisch, weil historisch niedrig.

Bei einem sagenhaften Zinssatz im Dreiprozentbereich kann es nur eine einzige Möglichkeit geben, die Finanzierung mit der längst möglichen Laufzeit abzuschließen, alles unter zehn Jahren ist suboptimal. Allerdings ist es nicht angezeigt, sich – bloß wegen des billigen Baugelds – auf Gedeih und Verderb irgendeine Immobilie ans Bein zu nageln, die einen am Ende nur unglücklich macht. Nach wie vor sind bei Immobilien die drei wichtigsten Kaufargumente: Lage, Lage, Lage.

Wer allerdings erst in ein oder zwei Jahren sein Wunschobjekt kaufen kann oder dann eine Finanzierung verlängern muss, steht heute vor einem Dilemma. Die Zinsen dürften dann deutlich höher sein als heute und die Belastung entsprechend härter. Aber auch hier können sich die Betroffenen mit sogenannten Forward-Darlehen aus der Patsche helfen. Neu- oder Anschlussfinanzierer können sich demnach zu einem geringen Aufschlag bereits jetzt gute Zinskonditionen für spätere Zeiten sichern. Dabei gilt, dass das Aufgeld, also der Zinsabstand umso höher ist, je länger die Forward-Laufzeit vereinbart wurde. Bis zu drei Jahren ist die Differenz zum heutigen Zinsniveau noch moderat, danach wird es deutlich teurer.

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Billiges Baugeld kann aber auch seine Tücken haben. Denn je billiger das Baugeld ist, desto länger dauert die Tilgung. Wählt ein Kunde die übliche Tilgungsrate von einem Prozent und geht eine Darlehensverpflichtung von 200 000 Euro ein, dann braucht er – aufgrund des derzeit niedrigen Zinsniveaus – rund 43 Jahre, bis das Darlehen zurückgezahlt ist. Ist die Finanzierung teurer, also etwa 5,5 Prozent, dann dauert es nur 34 Jahre, bis der Häuslebauer wieder schuldenfrei ist. Diese verblüffende Erkenntnis beschert uns die Finanzmathematik, nach der von der monatlich gleichbleibenden Tilgungsrate der Anteil der Darlehensrückzahlung mit zunehmender Laufzeit steigt.

Die Lösung des Dilemmas liegt schlicht in der Vereinbarung einer höheren Tilgungsrate und dem Verhandlungsgeschick, auch die Möglichkeit einer Sondertilgung zu vereinbaren. Auf keinen Fall sollte aber für eine Finanzierung nur eine reine Zinsfinanzierung mit der gesamten Rückzahlung des Darlehens am Ende der Laufzeit gewählt werden. Sie kennen das ja sicher aus den Produkten, bei denen die Tilgung ersatzweise in eine Lebensversicherung oder einen Fonds eingezahlt wird, und bei Laufzeitende „alles auf einen Rutsch“ zurückgezahlt wird. Der Tag der Wahrheit kann dann – mangels Masse – bitter ausgehen.

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