ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2010Psychotherapeutische Vergütung: Immer noch benachteiligt

EDITORIAL

Psychotherapeutische Vergütung: Immer noch benachteiligt

Bühring, Petra

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Die gute Nachricht ist: Die Psychotherapeuten haben von der Vergütungsreform 2009 mit einer zehnprozentigen Erhöhung ihrer Honorare profitiert. Die schlechte Nachricht: An das Durchschnittseinkommen somatisch tätiger Ärzte reichen Psychotherapeuten selbst bei einer maximalen wöchentlichen Arbeitsleistung von 51 Stunden nicht heran. Dies betrifft Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, aber auch ärztliche Psychotherapeuten und Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Dieter Best, Bundesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPTV), fordert deshalb von der Politik „die anstehende Gesundheitsreform zu nutzen, um eine gesetzliche Vorschrift zu schaffen, die diese Benachteiligung beseitigt“.

Der DPTV hat den aktuellen Bericht des Bewertungsausschusses der Ärzte und Krankenkassen zur „Entwicklung der Vergütungs- und Leistungsstruktur in der vertragsärztlichen Versorgung“ auf für die Psychotherapeuten relevante Fakten hin analysiert. Demnach sind die Gesamtausgaben bei allen psychotherapeutisch tätigen Gruppen zwischen 2007 und 2009 um 249 Millionen Euro gestiegen. Knapp die Hälfte davon geht auf die Erhöhung der Honorare, unter anderem durch die Einführung des Orientierungspunktwerts zurück. Der größere Teil hingegen auf die Zunahme an Psychotherapeuten, deren Zahl stieg um circa 1 400 in den letzten drei Jahren.

Psychotherapeuten verdienten im Jahr 2009 im Durchschnitt 38 404 Euro. Das sind die um die Praxiskosten, erhoben vom Zentralinstitut (ZI) für die kassenärztliche Versorgung, bereinigten Überschüsse. Damit liegen sie weit unter den – wohlgemerkt durchschnittlichen – Überschüssen aller Arztgruppen, die bei 87 036 Euro liegen. Hierunter sammeln sich die durchschnittlichen Gewinne der Hautärzte (72 467 Euro) bis zu denen der Internisten (170 292 Euro). Würde man anstelle der vom ZI definierten Kosten die niedrigeren Kosten des Statistischen Bundesamts setzen, fiele die Einkommensdifferenz zwischen Ärzten und Psychotherapeuten – unter denen auch Ärzte sind – noch deutlicher aus. Nach einer Modellrechnung des DPTV kommt ein Psychotherapeut, der 51 Stunden pro Woche arbeitet (36 Stunden genehmigungspflichtige Psychotherapie à 81,03 Euro Honorar je Sitzung) auf 125 434 Euro im Jahr, abzüglich Praxiskosten von 40 634 Euro (ZI), auf 84 800 Euro Überschuss im Jahr. Damit liegt er bei maximaler Auslastung immer noch unter dem Durchschnittseinkommen der Ärzte (87 036 Euro). Von Gleichberechtigung ist man also immer noch weit entfernt.

Die Auswertung des Berufsverbandes ergab weiter, dass sich die Fallzahlen (Zahl der Patienten im Quartal) über die letzten Jahre nicht verändert haben. Die Fallzahlen liegen allerdings im Osten mit mehr als 60 deutlich höher als im Westen mit circa 45. Ein Unterschied bei den Fallzahlen besteht im Westen außerdem zwischen den psychotherapeutischen Verfahren, im Osten ist dieser weniger stark ausgeprägt. Zwischen ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten gibt es in diesem Punkt keine Unterschiede.

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