ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2010Psychotherapie von Migranten: Mangelhafte Versorgung

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Psychotherapie von Migranten: Mangelhafte Versorgung

PP 9, Ausgabe Oktober 2010, Seite 437

EB

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Die Auswanderung in eine andere Kultur kann mit erheblichen psychischen Belastungen verbunden sein. Migranten erkranken in Deutschland deshalb beispielsweise um fast 60 Prozent häufiger an Depression als Einheimische. Bei ihnen finden sich außerdem doppelt so viele somatoforme Erkrankungen. Darauf weist die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) hin.

„Die psychotherapeutische Versorgung für Migranten ist mangelhaft“, kritisiert Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der BPTK. Es fehle an spezifischen Informationen für Migranten, an interkultureller Kompetenz und auch an Psychotherapie in der Muttersprache. Damit psychische Erkrankungen von Migranten künftig besser behandelt werden, schlägt die BPTK unter anderem vor, in Ballungsräumen mit hohem Migrantenanteil lokale Sonderbedarfe für muttersprachliche Psychotherapeuten einzurichten. Für Migranten mit seltenen Sprachen sollte ein Anspruch auf einen qualifizierten neutralen Dolmetscher bestehen. Angehörige mit Deutschkenntnissen seien dagegen keine Lösung. Auch in psychiatrischen Krankenhäusern sollten Psychotherapeuten mit interkulturellen und fremdsprachlichen Kompetenzen verfügbar sein. Eine besonders krasse Unterversorgung bestehe zudem bei der psychotherapeutischen Behandlung von Flüchtlingen. Die BPTK fordert dringend, Asylbewerbern den gleichen Anspruch auf Krankenbehandlung zu gewähren wie den Versicherten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. EB

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