ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2010Erblindung: Frühe Therapie kann Depressionen vorbeugen

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Erblindung: Frühe Therapie kann Depressionen vorbeugen

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Der Verlust der Sehfähigkeit geht mit schwierigen Herausforderungen einher, wie zum Beispiel mit eingeschränkter Eigenständigkeit, sozialer Isolation und Einbußen in der Lebensqualität. Vielen Betroffenen gelingt es nicht, damit umzugehen und sie erkranken an Ängsten und Depressionen. Wie ihnen geholfen werden kann, interessierte die schottische Blindenberaterin Mhairi Thurston, die selbst an schweren Sehstörungen leidet. Sie interviewte 18 Personen, die im Erwachsenenalter ihre Sehkraft verloren haben. Dabei zeigte sich, dass allmähliche Erblindung ein schwerer Schicksalsschlag ist, der vielfältige Anpassungsleistungen erfordert. Bei ihrer Gewöhnung an die Blindheit half den Befragten unter anderem ihr religiöser Glaube, soziale Integration, positive Vorbilder, eine optimistische Einstellung, Erfolgserlebnisse und das Gefühl von Autonomie. Allerdings konnten sie sich kaum vorstellen, professionelle Beratung und Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Das lag einerseits daran, dass sie nicht ausreichend über Hilfsangebote informiert waren, andererseits trauten sie sehenden Psychotherapeuten nicht zu, sich in ihre Situation hineinversetzen zu können. Sie räumten jedoch ein, dass es ihnen vor allem in der Zeit der Diagnose geholfen hätte, wenn ihnen psychotherapeutische Hilfsangebote zur Verfügung gestanden hätten. In dieser Phase treten meistens Schockzustände, Hilf- und Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste auf. Thurston fordert psychosoziale Dienste, Psychologen und Psychotherapeuten auf, Erblindenden bereits im Diagnosestadium professionelle Hilfe anzubieten, um die Anpassung zu erleichtern und Traumatisierungen und psychische Erkrankungen infolge der Erblindung zu vermeiden. ms

Thurston M: An inquiry into the emotional impact of sight loss and the counselling experiences and needs of blind and partially sighted people. Counselling and Psychotherapy Research 2010; 10(1): 3–12.
Mhairi Thurston, Tayside Institute for Health Studies, School of Social and Health Sciences, University of Abertay Dundee, Dundee, Scotland (UK), E-Mail: mhairithurston@yahoo.co.uk

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