ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2010Börsebius: Weit und breit keine Musterknaben

GELDANLAGE

Börsebius: Weit und breit keine Musterknaben

Dtsch Arztebl 2010; 107(41): A-1997 / B-1741 / C-1713

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Eben erst habe ich eine Kolumne mit der Überschrift „Kollektiver Wucher“ über die von vielen als horrend empfundenen Dispozinsen und erst recht für die gewaltigen Geldkosten im Falle nicht genehmigter Überschreitungen von Kontokorrentlinien geschrieben (DÄ, Heft 38/2010). Auf diesen Beitrag gab es jede Menge Reaktionen. Es scheint, dass die Anzahl der Betroffenen noch beträchtlicher ist bisher angenommen. Häufig werden die Kunden nicht auf die immens hohen Zinsen für den Fall, dass der Disporahmen überschritten wird, hingewiesen. Zugleich wird aber genau dieser Sachverhalt stillschweigend über längere Zeit geduldet. Ein Leser berichtete, dass erst die Vorlage der Börsebius-Kolumne beim Bankberater für ein Entgegenkommen sorgte. Gut so.

Immerhin, so die gute Botschaft, hat sich zu dieser Thematik bei den Geldhäusern gerade in den letzten Tagen einiges bewegt. Etliche Geldhäuser haben jüngst ihre Disposätze reduziert. Als Spitzenreiter ist die Santander Consumer Bank zu nennen, die ihren bislang völlig indiskutablen Satz von 16,98 auf 12,98 Prozent heruntergeschraubt hat, was gleichwohl immer noch unter aller Sau ist. Löblicher verhält sich hier die Sparda-Bank Hamburg, die fast einen Punkt auf 10,85 Prozent heruntergegangen ist, während die Sparkasse Leipzig mit nunmehr 13,05 (nach 13,50) Prozent immer noch auf einem ziemlich hohen Zinsross sitzt.

Das zentimeterweise Bewegen so mancher Geldhäuser kann auch mit dem beabsichtigten Vorgehen der Verbraucherzentrale NRW in einem ursächlichen Zusammenhang stehen. Die möchte nämlich – sehr zu Recht, versteht sich – die Targobank nebst der Sparda-Bank Münster vor den Kadi zerren. Auf der einen Seite stünden für die Institute nur sehr niedrige Geldeinstandskosten (Refinanzierung) zu Buche, die auf der anderen Seite nicht im gebührenden Maße an die Kunden weitergegeben würden.

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Wer gegen das möglicherweise sittenwidrige Ausnutzen von Zwangslagen etwas Substanzielles gegenhalten will, also hier wirklich für Abhilfe schaffen möchte, für den gilt nach wie vor, dass nur ein Wechsel des Instituts hilft, den Schuldenberg durch immense Zinsbelastungen von vornherein nicht zu sehr anwachsen zu lassen.

Möglichkeiten gibt es durchaus. Sollten Sie ein Institut finden, das beim Dispozins nicht zweistellig fakturiert, heißt es zuzugreifen. Für den Fall, dass Sie nicht fündig werden, hier eine kleine Auswahl: Die ING-Diba nimmt neun Prozent. Auch Comdirect und DKB sowie SKG bleiben unter der Marke von zehn Prozent. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

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