ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2010Refraktäre Atemnot bei Palliativpatienten: Therapie mit Sauerstoff ohne Vorteil vor Raumluft

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Refraktäre Atemnot bei Palliativpatienten: Therapie mit Sauerstoff ohne Vorteil vor Raumluft

Dtsch Arztebl 2010; 107(41): A-1981 / B-1728 / C-1700

Heinzl, Susanne

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Viele Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen leiden unter quälender Atemnot, bei bis zu 90 % der Patienten tritt eine Dyspnoe mit Krebs auf, bei bis zu 95 % der Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und bei bis zu 88 % der Patienten mit Herzinsuffizienz. Der Nutzen einer Sauerstoffgabe ist bislang nur bei Patienten mit COPD und Hypoxämie nachgewiesen.

In einer doppelblinden randomisierten kontrollierten Studie wurde die Wirksamkeit von intranasaler Sauerstoffgabe und Raumluft bei Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen, refraktärer Dys-pnoe und einem arteriellen Sauerstoffpartialdruck (PaO2) > 7,3 kPa (> 55 mgHg) in neun Zentren in Australien, den USA und Großbritannien verglichen. Über einen Nasenkatheter wurden 120 Patienten mit Sauerstoff und 119 Patienten mit Raumluft (2 l/min) sieben Tage lang versorgt, wobei sie den Konzentrator mindestens 15 Stunden täglich benutzen sollten. Primärer Endpunkt der Studie war die von den Patienten bewertete Empfindung der Atemnot mit Hilfe einer Zehnpunkteskala.

Atemnot und Lebensqualität besserten sich in beiden Gruppen, ohne Unterschied zwischen Sauerstoff und Raumluft. Die Besserungen bei Atemnot und Lebensqualität traten in der Regel innerhalb der ersten drei Tage ein. Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen unterschieden sich in beiden Gruppen ebenfalls nicht. Im begleitenden Editorial wird darauf hingewiesen, dass in der Studie der Einfluss der Bewegung nicht untersucht wurde. Andererseits bedeutet eine Sauerstofftherapie eine weitere Belastung für den Patienten und weitere Kosten für das Gesundheitswesen. Nach den Ergebnissen dieser Studie sollte eine Sauerstoffbehandlung bei Patienten ohne Hypoxämie vermieden werden, es sei denn, es gebe spezielle Gründe.

Fazit: Bei schwer kranken Patienten mit refraktärer Atemnot ohne Hypoxämie hat eine Behandlung mit Sauerstoff im Vergleich zu Raumluft keine Vorteile.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Abernethy AP et al.: Effect of palliative oxygen versus room air in relief of breathlessness in patients with refractory dyspnoea: a double-blind, randomised controlled trial. Lancet 2010; 376: 784–93.
  2. Higginson IR: Refractory breathlessness: oxygen or room air? Lancet 2010; 376: 746–7.

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