ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2010Führungskompetenz: Nicht jeder gute Arzt ist ein guter Chefarzt

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Führungskompetenz: Nicht jeder gute Arzt ist ein guter Chefarzt

Dtsch Arztebl 2010; 107(41): A-1988 / B-1732 / C-1706

Flintrop, Jens

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„Wenn wir heute so führen würden, wie wir selbst geführt worden sind, hätten wir bald keine Mitarbeiter mehr.“ Mit dieser Erkenntnis eines anonymen Chefarztes führt Jens Hollmann den ärztlichen Leser in das Thema Führungskompetenz für leitende Ärzte ein. In einer Zeit, in der sich die Stellenbesetzung im Ärztlichen Dienst zu einem gravierenden Problem der stationären Versorgung entwickelt habe, könne es sich kein Krankenhaus mehr leisten, wenn Chefärzte ihre Mitarbeiter wie Untergebene behandelten. Unternehmensidentität, Mitarbeiterbindung, Führungskompetenz – diese Begriffe aus der Wirtschaftswelt hielten in der Klinikbranche nur zögerlich Einzug. Keine Frage: Der Autor will dazu beitragen, dass sich diese Entwicklung beschleunigt.

Hollmann coacht seit vielen Jahren Chef- und Oberärzte in Krankenhäusern. Er organisiert Führungskräftetrainings, vermittelt Kommunikations- und Konfliktmanagementstrategien und schult Teamentwicklung. Die vielen Praxisbeispiele aus dieser Beratungstätigkeit ziehen sich wie ein roter Faden durch das 212 Seiten starke Buch – und machen es für etablierte Chefärzte genauso lesenswert wie für angehende. Zur empfohlenen Lösungsstrategie im Einzelfall gibt in der Regel die dazugehörige wirtschaftspsychologische Theorie, angefangen von der „Maslowschen Bedürfnispyramide“ bis zum „Dramadreieck nach Stephen Karpmann“. Durchaus lesenswerte Interviews mit mehr oder weniger bekannten Führungskräften aus dem Kliniksektor und aus meinungsbildenden Verbänden ergänzen die drei Hauptkapitel „Motivation“, „Team“ und „Konflikt“.

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Zuweilen stören die vielen Textkästen, Diagramme, Grafiken, „Eye Catcher“, Kurzzusammenfassungen und Gliederungspunkte den Lesefluss, aber das ist sicher Geschmackssache. Gleiches gilt für die „Führungstools“, in denen der leitende Arzt Fragen zu seinem Klinikalltag beantworten soll, um aus diesen Verbesserungsansätze herzuleiten.

Nicht jeder gute Arzt ist auch ein guter Chefarzt. Diese Tatsache gewinnt erst jetzt, wo der Wettbewerb um Fachärzte unter den Kliniken voll entbrannt ist, mehr und mehr an Bedeutung. Führungspersönlichkeiten gelingt es, ihre ärztlichen Mitarbeiter zu motivieren. Sie wecken Begeisterung, setzen Impulse und etablieren Teams, die Besonderes leisten. Hollman gibt viele praxisnahe Tipps, wie angehende Chefärzte, aber auch etablierte, diesem Ideal ein Stück näherkommen können. Jens Flintrop

Jens Hollmann: Führungskompetenz für Leitende Ärzte. Motivation, Teamführung, Konfliktmanagement im Krankenhaus. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010, 212 Seiten, Hardcover, 44,95 Euro

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