ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2010Kreditvergabe: Höhere Anforderungen

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Kreditvergabe: Höhere Anforderungen

Dtsch Arztebl 2010; 107(41): [91]

Vetter, Michael

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Ausreichendes Eigenkapital der Bankinstitute soll künftig dafür sorgen, dass sich eine Finanzkrise möglichst nicht wiederholt.

Geht es nach Jean-Claude Trichet, dem Chef der Europäischen Zentralbank, dann werden die neuen Finanzregeln, die vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht kürzlich beschlossen wurden, „der langfristigen finanziellen Stabilität dienen“. Es ging bei dieser Entscheidung vor allem darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass diverse Banken künftig auch größere Verluste selbst abdecken und nicht wie in der nach wie vor andauernden Krise nur mit Hilfe der Steuerzahler über Wasser gehalten werden können. Bleibt es bei den nun festgelegten Größenordnungen und dem Zeitplan, müssen Finanzinstitute ab 2013 ihre Geschäfte mit einem sogenannten Kernkapital aus Aktien und einbehaltenen Gewinnen in Höhe von 4,5 % absichern. Hinzu kommt weiteres Eigenkapital von 3,5 % und eine Art Puffer für besondere Krisensituationen von 2,5 %. In der Summe sollen also 10,5 % eigene Mittel vorgehalten werden. Das neue Abkommen wird dann als „Basel III“ an die Stelle der bisherigen Regeln („Basel II“) treten. Derzeit liegt die Eigenkapitalhinterlegung bei insgesamt 8 %, während das Kernkapital 2 % beträgt. Es geht bei den zu beschaffenden Geldern um gewaltige Beträge: Demnach soll der finanzielle Mehrbedarf nach einer Schätzung des Bundesverbandes Deutscher Banken bereits bei den zehn größten deutschen Banken circa 100 Milliarden Euro betragen. Es bleibt daher abzuwarten, ob diese enormen Summen allein aus Kapitalerhöhungen erzielt werden können.

Auswirkungen auf die Kreditvergabe

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Diese Anforderungen an ein erhöhtes Eigenkapital, so folgerichtig sie vom Ansatz der Finanzstabilisierung auch sein mögen, können für Ärzte aber auch weitere Risiken bei der Kreditvergabe mit sich bringen. Es besteht die Gefahr, dass die nach wie vor nicht überwundene Kreditverknappung, die sich im Wesentlichen durch verschärfte Vertragsbedingungen zulasten des Mittelstands zeigt, auch in den kommenden Jahren anhalten wird. Höheres Eigenkapital, das von den Banken grundsätzlich verzinst werden muss, bedeutet im Umkehrschluss weniger Kreditvergaben mit zu erwartenden geringeren Zinserträgen für die Finanzbranche. Dies lässt befürchten, dass entweder an der sprichwörtlichen „Zinsschraube“ gedreht wird und/oder dass bei künftigen Kreditvergaben noch mehr als bisher die Kreditvergaberichtlinien verschärft werden, um Ausfallrisiken zu verringern. Einerlei, ob dieses Szenario in der hier beschriebenen Form tatsächlich zutreffen wird: Ärzte sollten sich bereits jetzt mit „Basel III“ konkret beschäftigen und keinesfalls, wie in der Vergangenheit beim Übergang von „Basel I“ zu „Basel II“ häufig geschehen, die Ereignisse einfach auf sich zukommen lassen.

Dazu gilt es zunächst, die künftigen Kreditlinien einschließlich der erforderlichen Darlehen abzusichern. Das ist vor allem mit Forwarddarlehen möglich, die eine Verlängerung bereits laufender Darlehen nicht erst zum Ablauftermin, sondern bereits zum heute nach wie vor niedrigen Zinsniveau erlauben. Um die dabei anfallenden Kosten möglichst gering zu halten, ist ein sorgfältiger Preisvergleich sinnvoll.

Komplizierter ist die Situation allerdings bei den kurzfristigen Liquiditätskrediten wie dem Bar- oder Überziehungskredit auf dem Geschäftskonto. Hier sind nach wie vor eher variable Vereinbarungen üblich, die beiden Geschäftspartnern die Möglichkeiten kurzfristiger Kündigungen bieten. Ärzte, die dagegen auf Planungssicherheit Wert legen, sollten sich ebenfalls kurzfristig mit ihren Hausbanken in Verbindung setzen und eine gemeinsame Lösung, beispielsweise durch die Vereinbarung fester Kreditlaufzeiten, anstreben.

Die Bonität der Arztpraxis ist nach wie vor entscheidend

Darüber hinaus wird sich die gesamte Kreditvergabe auch in den nächsten Jahren vor allem an der Kreditwürdigkeit oder Bonität der jeweiligen Praxis orientieren. Diese wird wiederum von der Qualität des Ratings oder Scorings abhängen, mit dem vor allem die betriebswirtschaftliche Situation und die unternehmerischen Qualitäten des potenziellen Kreditnehmers beurteilt werden. Leider bestehen aber genau an dieser Stelle nach wie vor Informationsdefizite seitens der Finanzbranche. Der Weg zur exakten Ermittlung einer Ratingnote oder die genaue Gewichtung einzelner Ratingfaktoren bleiben je nach Bankinstitut auch nach Jahren seit Einführung dieser Qualifizierungsmodelle weitgehend im Dunkel. Hier besteht ein entsprechender Nachholbedarf, den Ärzte von ihren Bankpartnern durchaus einfordern sollten.

Michael Vetter

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