ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2010Allgemeinmedizin: Abschreckender Ausbildungsgang
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Studenten sind sicher immer begeistert, wenn man sich um sie kümmert. Aber leider hält die Begeisterung für die Allgemeinmedizin nicht lange an. Nur ein verschwindend geringer Teil der ehemals Begeisterten und fast nur Frauen machen eine Weiterbildung zum Allgemeinarzt. Die ebenso begeisterten Praxen im Frankfurter Raum (Gerlach) haben es ebenso wenig wie die Meinungsbildner in der Allgemeinmedizin geschafft, junge Ärzte für dieses Gebiet zu motivieren. Der Profilierungsdruck gegenüber den anderen medizinischen Disziplinen und ein hartnäckiges Minderwertigkeitsgefühl unter den im universitären Bereich angesiedelten Allgemeinmedizinern haben dem Fach einen Ausbildungsgang beschert, wie ihn keine andere medizinische Disziplin fordert und der die jungen Kollegen von vornherein abschreckt.

Ein Weiterbildungsgang mit lediglich längerer Krankenhauserfahrung in der Inneren Medizin, einer relativ langen Praxiszeit bei einem Hausarzt und eine Serie von sogenannten Seminarweiterbildungen, die auch noch Geld kosten und die Wochenenden verbrauchen und die nichts bringen, denn in Seminaren hat man im Studium genug gesessen, – dieser Gang verschließt auch noch alle Türen zu den anderen Fächern, wird somit von den jungen Kollegen bewusst gemieden. Es gibt in den anderen Fächern nichts Vergleichbares. Also warum nicht wenigstens bei Internisten oder Kinderärzten eine „praxis“nahe und seminarunterfütterte Weiterbildung, wo diese doch auch hausärztlich tätig sind? Wenn Herr Donner-Banzhoff meint, die Allgemeinmedizin sei die eigentliche intellektuelle Herausforderung im Gegensatz zu den Gerätebedienern, dann führt das lediglich zu Polarisierungen und treibt den Autor und sein fachliches Umfeld in die Lächerlichkeit.

Anzeige

Früher hießen wir praktische(!) Ärzte, die eben auch handwerklich etwas konnten und nicht überwiegend durch Sinnieren und Psychologisieren sich selbst zu den wahren Menschenkennern auffürsten wollten . . .

Der Allgemeinmediziner – ich meine da den breit und wo sonst als in Krankenhäusern ausgebildeten praktischen(!) Arzt mit gutem Basiswissen in möglichst vielen Disziplinen und zudem der Bereitschaft (!), in der Breite zu denken und zu handeln – wird nicht untergehen, ich denke eher in Zukunft noch mehr benötigt werden, wenn wir uns mit unserem Überflussangebot und der Serviceideologie in der Medizin ruiniert haben.

Aber möglicherweise ist eine Reform vom Kopf her notwendig.

Dr. Christian Bünemann, 42369 Wuppertal

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige