ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2010Kanada: Weniger Brustkrebs nach Absetzen der Hormontherapie

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Kanada: Weniger Brustkrebs nach Absetzen der Hormontherapie

Dtsch Arztebl 2010; 107(42): A-2018 / B-1762 / C-1734

Meyer, Rüdiger

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In Kanada erkranken weniger postmenopausale Frauen an Brustkrebs, seit die Verordnungen von Hormonpräparaten zurückgegangen sind. Dies zeigen Berechnungen der kanadischen Krebsgesellschaft im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2010; doi: 10.1093/ jnci/djq345). Sie schließen andere Erklärungen weitgehend aus.

Nach dem Bekanntwerden der ersten Ergebnisse der US-amerikanischen Women’s
Health Initiative (WHI) sind auch in Kanada die Verordnungen von Hormonpräparaten an postmenopausale Frauen schlagartig zurückgegangen. Hatten zuvor noch 12,7 Prozent der Frauen in der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren Östrogen/Gestagen-Kombinationen eingenommen, so war der Anteil 2004 auf 4,9 Prozent gefallen. Dies zeigen die Ergebnisse des National Population Health Survey, einer regelmäßigen Umfrage der kanadischen Regierung. Auslöser des Rückgangs waren die Ergebnisse der WHI-Studie. Sie hatte die postulierte kardiovaskuläre Schutzwirkung der Hormontherapie nicht bestätigen können und unter anderem auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko hingewiesen.

Dass diese Sorge nicht unberechtigt war, zeigt die Analyse der Krebsregister, die Prithwish De von der Canadian Cancer Society in Toronto jetzt vorlegt. Gleichzeitig zum Rückgang der Verordnungen der Hormonpräparate nahm auch die Brustkrebsinzidenz bei den postmenopausalen Frauen um 9,6 Prozent ab. Ein ähnlicher Trend war auch in anderen Ländern, darunter den USA, aufgefallen (NEJM 2007; 356: 1670–4). Die US-Forscher hatten jedoch nicht ausschließen können, dass eine verminderte Inanspruchnahme der Mammographie für den Rückgang verantwortlich ist. Weniger Mammographien bedeuten, dass Karzinome später erkannt werden – was zu einem vorübergehenden Abfall der Diagnosen führt.

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De kann allerdings nachweisen, dass die Mammographierate in Kanada stabil geblieben ist. Der Epidemiologe ist sich deshalb sicher, dass der Rückgang allein durch den Einbruch der Hormonverordnungen ausgelöst wurde.

Nach 2005 kam es wieder zu einem leichten Anstieg der Brustkrebsinzidenz. Auch dies passt gut zu den Ergebnissen der WHI. Östrogene sind nicht die Auslöser der Karzinome. Sie fördern vermutlich nur das Wachstum jener Tumoren, die Rezeptoren für den Wachstumsfaktor Östrogen exprimieren. Der Verzicht auf die Hormontherapie verhindert deshalb nicht, dass die Frauen an Brustkrebs erkranken, er verlängert lediglich die Zeit, bis dieser entdeckt wird. rme

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