ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2010Influenza H1N1: Neurologische Komplikationen bei Kindern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Influenza H1N1: Neurologische Komplikationen bei Kindern

Dtsch Arztebl 2010; 107(42): A-2047 / B-1782 / C-1754

Siegmund-Schultze, Nicola

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Besonderheiten der neuen Influenza H1N1, die bis zum 10. August dieses Jahres als Pandemie galt, sind noch immer Gegenstand wissenschaftlichen Interesses. Obwohl der Verlauf der Pandemie insgesamt als mild galt, waren Komplikations- und Hospitalisierungsraten bei Kindern und Schwangeren höher als bei der saisonalen Influenza. Die Frage, ob sich Inzidenz und Schwere neurologischer Komplikationen von denen der saisonalen Influenza unterscheiden, hat ein Forscherteam der Universitätsklinik Utah in Salt Lake City/USA untersucht.

Dort waren zwischen April und November vergangenen Jahres 303 Kinder (bis 18 Jahre) mit der gesicherten Diagnose einer H1N1-Influenza stationär behandelt worden, davon 18 mit neurologischen Komplikationen. 12 dieser Kinder (67 %) hatten Krampfanfälle, dar- unter wurden 7 im lebensbedrohlichen Status epilepticus (Dauer: 5 bis 30 Minuten) in die Klinik gebracht. 10 Patienten erhielten eine intensivmedizinische Versorgung, 5 künstliche Beatmung. Krankheitsverläufe und Charakteristika dieser Patienten wurden mit denen von 234 Kindern verglichen, die zwischen 2004 und 2008 wegen saisonaler Influenza aufgenommen worden waren. In dieser Vergleichsgruppe hatten 16 Kinder neurologische Symptome, aber minder schwer: ohne Enzephalopathie (50 % in der H1N1-Gruppe), ohne Aphasien (33 % in der H1N1-Gruppe) und ohne fokale, neurologische Symptomatik (28 % in der H1N1-Gruppe). Das durchschnittliche Alter betrug 2,4 Jahre bei den Patienten mit saisonaler Influenza und 6,5 Jahre unter den Kinden mit H1N1, die Komorbiditäten betrafen 25 % und 83 % (saisonale vs. neue Influenza). In der zweiten Welle Influenza H1N1
(August bis November 2009) war der Anteil der Kinder mit Enzephalopathie, fokal-neurologischen Befunden und Aphasien höher als in der ersten (April bis Juli).

Fazit: Die Daten eines großen pädiatrischen Zentrums in den USA ergaben, dass Infektionen mit dem H1N1-Virus häufiger schwere neurologische Komplikationen hervorriefen als die saisonale Grippe; für dieses Risiko gab es einen Trend zur Verschiebung in ein höheres durchschnittliches Alter.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Ekstrand JJ et al.: Heightened neurological complications in children with pandemic H1N1 influenza. Annals of Neurology 2010; doi: 10.1002/ana.22184

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